{"id":12676,"date":"2025-10-28T10:00:00","date_gmt":"2025-10-28T09:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/optio.ruhr-uni-bochum.de\/?p=12676"},"modified":"2025-11-04T12:43:56","modified_gmt":"2025-11-04T11:43:56","slug":"zwischen-beton-bildschirmen-und-blicken-kunst-am-bau-an-der-ruhr-universitaet-bochum-im-digitalen-zeitalter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/optio.ruhr-uni-bochum.de\/index.php\/zwischen-beton-bildschirmen-und-blicken-kunst-am-bau-an-der-ruhr-universitaet-bochum-im-digitalen-zeitalter\/","title":{"rendered":"Zwischen Beton, Bildschirmen und Blicken: Kunst am Bau an der Ruhr-Universit\u00e4t Bochum im digitalen Zeitalter"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-group has-medium-font-size\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<p><em>Feature von Sude Erkan<\/em> | Titelbild: \u201eGrand Vitrail Cinetic\u201d aus Sekurit-Glasplatten im HZO-Geb\u00e4ude. Von Victor Vasarely (1906 &#8211; 1997), Ansto\u00dfgeber der \u201eOp Art\u201c, einer Kunst, die die Aufmerksamkeit auf Bildmuster und ungew\u00f6hnliche Figur-Grund-Verh\u00e4ltnisse lenkt. Foto: Sude Erkan<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Grauer Beton, hallende Schritte und leuchtende Displays pr\u00e4gen das Bild des Campus der Ruhr-Universit\u00e4t Bochum. Studierende eilen von H\u00f6rsaal zu Mensa, von der Bibliothek in den Seminarraum. Unter ihren Schuhen wackeln die Betonplatten, kaum jemand bleibt stehen. Und doch ist sie da: die Kunst am Bau \u2013 scheinbar \u00fcberall sichtbar und dennoch von allen \u00fcbersehen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Schriften, Skulpturen und Reliefs pr\u00e4gen die Wege der Studierenden \u2013 Zeugnisse einer anderen, ruhigeren Wahrnehmung, als Studierende die Welt noch ohne die Ablenkung digitaler Medien wahrnahmen. Heute stehen die Kunstwerke fast unbeachtet im Schatten von Bauarbeiten, Zoom-Sitzungen und ewigen Diskussionen \u00fcber die brutalistische Architektur der Uni.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem gro\u00dfen Forumsplatz der RUB ist dies besonders sp\u00fcrbar: Auf einem weitl\u00e4ufigen Areal stehen Kunstwerke aus den 60er- und 70er-Jahren: Skulpturen, die vom gesellschaftlichen Aufbruch zeugen, von einem demokratischen Verst\u00e4ndnis von Kunst. Sie sollten nicht mehr nur einer Elite vorbehalten sein, sondern allen Menschen offenstehen und zug\u00e4nglich sein. Betrachter*innen d\u00fcrfen und sollen Kunst mitgestalten und mitinterpretieren.<\/p>\n\n\n\n<p>An der Universit\u00e4t befinden sich insgesamt mehr als 20 Kunstwerke, an oder zwischen den Geb\u00e4uden. Seit den 60ern geh\u00f6ren sie fest zum Campusbild, doch im Alltag von iPads und Online-Vorlesungen scheinen sie in ihrer Pr\u00e4senz kaum noch wahrgenommen zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eFreilichtmuseum moderner Kunst\u201c?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eVon der U-Bahn-Station gehe ich meist nur bis zum GA-Geb\u00e4ude und wieder zur\u00fcck. Auf dem Weg sind mir nie Kunstwerke aufgefallen&#8220;, sagt Stella, Bachelorstudentin im f\u00fcnften Semester. Displays strukturieren den Alltag der Studierenden: Der Blick richtet sich vermehrt online, nicht offline. Im Strom digitaler Reize wird Kunst im \u00f6ffentlichen Raum schnell zur Kulisse, die beim Vorbeigehen \u00fcbersehen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine andere Studierende erz\u00e4hlt, sie fokussiere sich nicht besonders auf die Umgebung am Campus und h\u00f6re oft Musik, wenn sie unterwegs ist. Erst als das Thema Kunst am Bau aufkommt, wird ihr etwas deutlich. \u201eJetzt, wo du es ansprichst, es sind \u00fcberall Statuen, aber ich habe diese nie als Kunst wahrgenommen\u201c, sagt Louisa. Sie ist im zweiten Semester.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit der Corona-Pandemie ist Pr\u00e4senz am Campus wieder gang und g\u00e4be. Die R\u00e4umlichkeiten der Bibliothek sind wieder gef\u00fcllt, freie Pl\u00e4tze wieder seltener. Erstis verlaufen sich in den G\u00e4ngen, verzweifelt auf der Suche nach dem richtigen Raum.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch wie kann echte Pr\u00e4senz am Campus gelingen, wenn der erste Blick fast immer auf das Smartphone f\u00e4llt?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Beton, Bildschirm, Blick \u2013 und Bodenplastik<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Hinter zwei Leitbaken auf dem Forumsplatz der RUB befindet sich die Bodenplastik&nbsp;<em>Grande Diagonale<\/em>&nbsp;(1974) des italienischen Bildhauers Giuseppe Spagnulo (1936-2016). Sie geh\u00f6rt zur Reihe&nbsp;<em>Ferri spezzati<\/em>&nbsp;(\u201egebrochene Eisen\u201c), in der Spagnulo zeigt, wie sich Materialien durch einfache Eingriffe selbst formen &#8211; der Herstellungsprozess sollte hier sichtbar bleiben. Das Werk befindet sich bedacht auf Augenh\u00f6he und soll einen direkten Zugang erm\u00f6glichen. Doch erst auf dem zweiten, wenn nicht sogar auf dem dritten Blick erschlie\u00dft sich das Werk.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:31%\"><div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"770\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/optio.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Bild-3_Forumsplatz_Sude-Erkan-e1761570492296-770x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12680\" srcset=\"https:\/\/optio.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Bild-3_Forumsplatz_Sude-Erkan-e1761570492296-770x1024.jpg 770w, https:\/\/optio.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Bild-3_Forumsplatz_Sude-Erkan-e1761570492296-226x300.jpg 226w, https:\/\/optio.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Bild-3_Forumsplatz_Sude-Erkan-e1761570492296-768x1021.jpg 768w, https:\/\/optio.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Bild-3_Forumsplatz_Sude-Erkan-e1761570492296-1155x1536.jpg 1155w, https:\/\/optio.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Bild-3_Forumsplatz_Sude-Erkan-e1761570492296.jpg 1280w\" sizes=\"(max-width: 770px) 100vw, 770px\" \/><\/figure>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:69%\"><div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img decoding=\"async\" width=\"558\" height=\"418\" src=\"https:\/\/optio.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/image-2.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-12679\" srcset=\"https:\/\/optio.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/image-2.png 558w, https:\/\/optio.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/image-2-300x225.png 300w\" sizes=\"(max-width: 558px) 100vw, 558px\" \/><\/figure>\n<\/div><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Spagnulos Werk vor den Kunstsammlungen der RUB am Forumsplatz. Fotos: Sude Erkan<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:55%\">\n<p><strong>Kunst am Bau in Zeiten des Wegsehens<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die amerikanische Soziologin Sherry Turkle untersucht in ihren Studien den Effekt des \u201eAllein-zusammen-Seins\u201c in modernen Gesellschaften. In \u201eAlone Together\u201c beschreibt sie, wie Menschen sich zwar physisch gemeinsam in R\u00e4umen befinden, mental aber oft woanders sind \u2013 in Chatr\u00e4umen oder in Instagram-Storys. Das Smartphone wird zum Vermittler zwischen Welt und Wahrnehmung und oft eben auch zum Filter. Was nicht im Bildschirm erscheint, ist manchmal v\u00f6llig unsichtbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Kunstwerk am Bau verlangt somit das genauere Hinsehen. Es lebt von der K\u00f6rperlichkeit des Raums, vom Sonnenlicht, vom Innehalten und von Pr\u00e4senz \u2013 insbesondere jetzt, wo Pr\u00e4senz am Campus wieder Normalit\u00e4t geworden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Kunst am Bau kann helfen, uns aus der digitalen Ablenkung zur\u00fcckzuholen und R\u00e4ume f\u00fcr echte Erfahrung und Verbindung zu schaffen.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:45%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large ticss-c878c8ff\"><img decoding=\"async\" width=\"1016\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/optio.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Bild-4_Forumsplatz_Sude-Erkan-e1761572753150-1016x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12687\" srcset=\"https:\/\/optio.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Bild-4_Forumsplatz_Sude-Erkan-e1761572753150-1016x1024.jpg 1016w, https:\/\/optio.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Bild-4_Forumsplatz_Sude-Erkan-e1761572753150-298x300.jpg 298w, https:\/\/optio.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Bild-4_Forumsplatz_Sude-Erkan-e1761572753150-150x150.jpg 150w, https:\/\/optio.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Bild-4_Forumsplatz_Sude-Erkan-e1761572753150-768x774.jpg 768w, https:\/\/optio.ruhr-uni-bochum.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Bild-4_Forumsplatz_Sude-Erkan-e1761572753150.jpg 1267w\" sizes=\"(max-width: 1016px) 100vw, 1016px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">George Rickey: <em>Two Open Rectangles Excentric Triangular Section, Variation VII (1977<\/em>) vor dem Audimax | Foto: Sude Erkan<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p><strong>Den Blick f\u00fcr die Welt wiedergewinnen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch bin immer knapp dran und muss schnell zum Seminar. Ich glaube nicht, dass ich eher anhalten w\u00fcrde, wenn ich gr\u00f6\u00dfere Infotafeln vor mir h\u00e4tte\u201c, meint Stella. Mit Infotafeln direkt vor den Kunstwerken k\u00f6nne sie sich zumindest jedoch vorstellen, dass mehr Interesse geweckt werden kann. Auch Louisa pl\u00e4diert f\u00fcr eine bessere Kennzeichnung der Exponate am Campus.<\/p>\n\n\n\n<p>An der RUB stellen die Kunstwerke Zeitzeugen einer Idee von Bildung, \u00d6ffentlichkeit, kultureller Teilhabe und Inklusion dar. Kunst am Bau bietet keinen Algorithmus, der zeigt, was uns gef\u00e4llt &#8211; sie fordert unseren eigenen Zugang. Vielleicht ist es Zeit, diesen Blick wiederzugewinnen. Weniger durch das Display, mehr durch das direkte Erleben.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Eine komplette \u00dcbersicht aller Kunstwerke des RUB-Campus findet ihr unter:&nbsp;<\/em><a href=\"https:\/\/uni.ruhr-uni-bochum.de\/de\/kunst-am-bau\"><em>https:\/\/uni.ruhr-uni-bochum.de\/de\/kunst-am-bau<\/em><\/a><\/p>\n<\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Grauer Beton, hallende Schritte und leuchtende Displays pr\u00e4gen das Bild des Campus der Ruhr-Universit\u00e4t Bochum. Studierende eilen von H\u00f6rsaal zu Mensa, von der Bibliothek in den Seminarraum. Unter ihren Schuhen wackeln die Betonplatten, kaum jemand bleibt stehen. Und doch ist sie da: die Kunst am Bau \u2013 scheinbar \u00fcberall sichtbar und dennoch von allen \u00fcbersehen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":12678,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"footnotes":""},"categories":[28],"tags":[],"class_list":["post-12676","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-optioinside"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/optio.ruhr-uni-bochum.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12676","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/optio.ruhr-uni-bochum.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/optio.ruhr-uni-bochum.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/optio.ruhr-uni-bochum.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/optio.ruhr-uni-bochum.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12676"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/optio.ruhr-uni-bochum.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12676\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12796,"href":"https:\/\/optio.ruhr-uni-bochum.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12676\/revisions\/12796"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/optio.ruhr-uni-bochum.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/12678"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/optio.ruhr-uni-bochum.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12676"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/optio.ruhr-uni-bochum.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12676"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/optio.ruhr-uni-bochum.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12676"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}