Ein Feature von Mina Schilling
Mitten im Campusmuseum, zwischen antiken Büsten, einer Münzsammlung und modernen Gemälden, ist derzeit die Ausstellung Post Grounds zu sehen. Diese macht den Campus der Ruhr-Universität Bochum selbst zum Thema und lädt so Studierende und Besuchende in ihre Räume ein.
Versteckt hinter der Bibliothek: die Kunstsammlungen der RUB
Auf den ersten Blick sind sie gar nicht zu sehen, die Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum. Kommt man von der U-Bahn-Haltestelle über die Unibrücke auf den Campus, dann fällt der Blick zunächst auf die zentral gelegene Universitätsbibliothek. Erst wenn man einen Blick hinter das Gebäude wirft, weist ein leuchtender Schriftzug an der Betonfassade auf die Kunstsammlungen und das dazugehörige Campusmuseum hin, das sich in der Etage unter der Bibliothek befindet. Die gläserne Außenwand ermöglicht einen ersten Einblick in den Ausstellungsraum. Dort ist aktuell eine ganz besondere Ausstellung zu sehen. Hier kann man dem Campusalltag entfliehen und ihm gleichzeitig auf überraschend neue und künstlerische Weise wiederbegegnen.
Der Campus wird zum Ausstellungsobjekt
Die Post Grounds ist ein Teil der Ausstellungsreihe Kunsthochschule meets Universität, innerhalb derer jungen Künstler:innen der Kunsthochschule für Medien Köln die Möglichkeit geboten wird, ihre Werke in einem universitären Kontext an der RUB zu präsentieren. Die labyrinthartigen Gänge und vielen Stufen des Bochumer Campus werden zum Thema der Kunst, die sich in die bestehende Ausstellung einreiht, statt einen eigenen Raum zu beanspruchen. Somit zeigt sich das Campusmuseum aktuell von einer neuen Seite und ist auch dann wieder interessant, wenn man es schon zuvor besucht hat. Dieses Vermittlungsformat der Post Grounds wurde in Zusammenarbeit mit Studierenden der Kunstgeschichte aus Bochum erarbeitet.
Kunst im Dialog: neue Werke verändern die bestehende Ausstellung
Beim Eintreten in die Ausstellung wird schon am Eingang ein Informationsblatt speziell zu Post Grounds angeboten, das Hintergründe zu den Kunstwerken liefert und die Besuchenden unterstützt. Geht man durch die Ausstellung, so fällt ein Werk ins Auge, das die bestehenden Kunstwerke ganz besonders verändert und mit ihnen interagiert: Oksana Pyzhs Ohne Halt, bei dem die Betonsockel der antiken Büsten mit Luftpolsterfolie verhüllt werden. Der moderne Twist an den antiken Kunstwerken wird im Informationsblatt als eine Geste gegenüber der musealen Struktur erklärt. Interessant sehen die Verhüllungen aus, man mag vielleicht den Drang bekommen, die Luftpolsterfolie platzen zu lassen, aber bitte nicht anfassen!


Zwischen Antike und Gegenwart
Einen großen Teil des Campusmuseums, das aus den Sammlungen moderne und zeitgenössische Kunst, Antike und Münzsammlung besteht, nehmen auch die Vitrinen im hinteren Bereich des Raumes ein. Während hier beim Hindurchgehen und Betrachten sonst eher antike Gegenstände wie Haushaltsobjekte und Vasen angetroffen werden, hat Anna Traskaliková, eine in Bochum lebende Künstlerin, hier und da weitere Objekte hinzugefügt. Teilweise aus dem 3D-Drucker, oder aus Keramik selbst geformt, mischen sich Blätter und Figuren zwischen die üblichen Ausstellungsobjekte. Das Werk trägt den Titel nomads. Manchmal dauert es ein paar Sekunden, die einzelnen neuen Objekte in den Schaukästen zu finden und im Kontext der restlichen Kunst zu betrachten. Meistens springen sie einem jedoch förmlich entgegen, in hellen Farben und sehr modern, ganz gegensätzlich zur den antiken Stücken.
Kunst verstehen leicht gemacht
Mit Anna Traskaliková wurde auch ein Interview geführt, das in der Ausstellung ausliegt und allen Besuchenden weitere Einblicke in ihr künstlerisches Schaffen ermöglicht. Im Ausstellungsraum finden sich außerdem immer wieder Karten, die typische Fragen von Besuchenden aufgreifen und über das Konzept der Kunstsammlungen informieren. Man muss also keinerlei kunstgeschichtliches Wissen haben, um die Ausstellung zu besuchen; stattdessen reicht Neugier völlig aus.
Bis zum 17. Mai kann die Ausstellung Post Grounds noch am Bochumer Campus besucht werden, aber natürlich ist das Campusmuseum auch nach Ablauf der Ausstellung immer einen Besuch wert. Die Kunstsammlungen sind dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist kostenfrei, nur dürfen keine Fotos von den Werken gemacht werden. Es lohnt sich also umso mehr, einmal selbst vorbeizuschauen und auch die restlichen Kunstwerke zu betrachten.
Weitere Veranstaltungen
Wer zusätzlich Lust auf ein paar besondere Veranstaltungen der Kunstsammlungen hat: Am 23. April findet die Veranstaltung Post-Post-Grounds statt, bei der Studierende der Kunsthochschule für Medien ihre Arbeiten in der Bibliothek des Kunstgeschichtlichen Instituts im GA-Gebäude zeigen. Hier gibt es ab 16 Uhr spannende Artist-Talks, einen Rundgang und eine anschließende Party in der Bochumer Goldkante zu erleben. Außerdem findet am 12. Mai die Finissage der Ausstellung im Campusmuseum statt, mit Performances und einem Rundgang, ebenfalls ab 16 Uhr.
Links:
Kunstsammlungen, Sammlung moderne und zeitgenössische Kunst: https://www.kusa-rub-moderne.de
Projekthomepage: https://post-grounds.cargo.site
Instagram: kunstsammlungenmoderne_rub

