Ein Feature von Felix Jung
Bei klassischem Theater denken viele erstmal an Anzug tragende ältere Herrschaften, ein Gläschen Wein in der Hand beim Fachsimpeln über die letzte große Inszenierung. Doch am Schauspielhaus Bochum versucht man diese Stereotype aufzubrechen und mehr junge Menschen in den altehrwürdigen Theatersaal zu locken. Für Studierende der Ruhr-Universität Bochum geht das für viele Vorstellungen sogar gratis.
An lauen Sommerabenden ist Bochum-Ehrenfeld ein belebtes junges Viertel, wie es wohl in jeder studentischen Großstadt zu finden ist. Inmitten von Bars und Kneipen thront jedoch eines der markantesten Gebäude Bochums, direkt an der Königsallee. Das Schauspielhaus. Mit seiner über hundert Jahre alten Geschichte gilt es als eine der renommiertesten und bekanntesten Theaterspielstätten Deutschlands. Doch all der Ruhm hilft dem Schauspielhaus wenig im Kampf gegen sinkende Auslastung und rückläufige Ticketverkäufe.
Neue Leute ins Theater locken
Ein Versuch, gerade für jüngere Menschen wieder attraktiver zu werden, ist die Theaterflatrate für Studierende diverser Hochschulen, unter anderem der RUB. Das Konzept ist einfach. Für die meisten Vorstellungen des aktuellen Spielplans gibt es ein Kontingent an Karten, welche vom Schauspielhaus gratis zur Verfügung gestellt werden.
Man sucht sich ganz normal einen Sitzplatz und gibt bei der Ticketkategorie die RUB-Flatrate an. Die Eintrittskarte landet jetzt ganz umsonst im Warenkorb. Falls mal keine Karten mehr in der gewünschten Sitzkategorie verfügbar sein sollten, lohnt es sich, andere Plätze oder alternative Vorführungstermine zu durchstöbern. Die Chancen sind gut, dass man am Ende in die Vorstellung kommt, welche man besuchen möchte.
Warum sich ein Besuch lohnt
Das wohl meist diskutierte Stück der jüngeren Schauspielhausgeschichte dürfte mit weitem Abstand „Catarina, oder Von der Schönheit Faschisten zu töten“ gewesen sein. Die Premiere der Erstinszenierung in deutscher Sprache endete damit, dass Personen aus dem Publikum die Bühne stürmten, ein Schauspieler körperlich angegangen und Obst auf die Bühne geworfen wurde.

Für mich stand also fest, das muss ich mir auch anschauen. Gesagt, getan. Tickets über die Theaterflatrate besorgt, pünktlich vor Beginn des Stückes meinen Platz gefunden und dann hieß es nur noch zurücklehnen und genießen. Wobei ich allerdings bei diesem eindringlichen Stück dauerhaft gebannt auf der Stuhlkante saß.
„Catarina, oder Von der Schönheit Faschisten zu töten“ wurde seinem Ruf auf jeden Fall gerecht. Die Inszenierung behandelt die Frage von Recht und Gerechtigkeit, Zweifel und Widerspruch. Zudem ist das Stück politisch hoch aktuell. Es wurde bei der Aufführung, die ich besuchte, zwar nicht die Bühne gestürmt, rumoren und Zwischenrufe aus dem Publikum blieben aber nicht aus.
Mir wurde noch einmal eindrücklich vor Augen geführt, dass es eben doch etwas anderes ist, Schauspiel auf der Bühne anstatt über einen kleinen Bildschirm flimmern zu sehen. Falls jetzt noch Fragen offen sein sollten, gibt es alle fehlenden Informationen auch noch einmal auf der Website des Schauspielhauses Bochum.

