Eine Reportage von Dustin Schock
Journalismus ist nicht einfach, es ist eine Art Handwerk, welches erst erlernt werden muss. Um in vielen Medienhäusern Fuß zu fassen, werden bereits einige praktische Erfahrungen vorausgesetzt. Wie kann man die am besten sammeln? Eine Möglichkeit, sich neben dem Studium journalistisch zu erproben, ist CT das radio, das Campusradio der Hochschulen Bochums. Dabei ist nicht entscheidend, was studiert wird und ob man irgendwelche Erfahrungen hat. Alle, die motiviert sind, sich zu erproben, können die Chance nutzen.
Im Folgenden sind die Namen der beteiligten Personen geändert.
Vorbereiten der Tagschicht
Es ist 9:24 und ich stehe vor dem Gebäude ICN am Campus der RUB und sehe wenig, was mir den Eindruck verschaffen kann, dass hier die Redaktion vom Uniradio CT ist. Lediglich am Eingang steht auf einem Schild, neben Werkstätten und Ausbildungszentren, dass auch CT hier seinen Platz gefunden hat. Was ich hier mache? Ich warte noch auf die zwei Chef:innen vom Dienst (CvD) Lea und Mike, die mich heute bei der Arbeit in der Redaktion zugucken lassen. Nach ca. fünf Minuten kommen die zwei an und wir gehen durch das Gebäude zur Redaktion. Neben den Werkstätten und Übungsräumen erweckt dieses Gebäude wirklich nicht den Eindruck, dass man auf dem richtigen Weg zum Radio ist.

Wir kommen zu dritt an und natürlich ist der Raum noch leer, dunkel und ein bisschen stickig. Zuerst schalten wir das Licht an, dann das Radio und die Lautsprecher, öffnen die Fenster und setzen den Kaffee auf. Es ist ein bisschen so, als ob die schlafende Redaktion gerade aufwacht. Trotzdem sind nur Lea, Mike und ich da und ich kann mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorstellen, wie es sein wird, wenn hier die Praktikant:innen ab 10 Uhr an ihren Beiträgen arbeiten. Aber auch wenn für die Praktikant:innen der Tag noch nicht begonnen hat, erledigt Lea erst einmal die Aufgaben für den Tagesstart: Nachgucken, ob der Sendeplan für heute gefüllt ist, Equipment überprüfen und E-Mails nach Themenvorschlägen durchforsten. Mike schreibt währenddessen die Nachrichten, weil er von 10:30 bis 16:30 immer zur halben Stunde live Nachrichten spricht. Ich merke, dass die beiden schon ein eingespieltes Team sind, weil die Aufgaben mit einer gewissen Leichtigkeit erledigt werden. Nebenbei wird nämlich noch der Kaffee getrunken und über die Geburtstagsfeier von gestern oder die anstehenden Prüfungen gesprochen.
Der Start für die Praktikant:innen
Um 10 Uhr trudeln dann nach und nach alle Praktikant:innen ein. Heute sind es Mara, Stefan und Lars. Nachdem die drei sich einen Platz ausgesucht haben und den Computer hochgefahren haben, rufen die CvDs die Feedbackrunde aus. Wir setzen uns in einen Stuhlkreis und hören gemeinsam Beiträge, die letzte Woche fertig geworden sind. Jede:r kommt zu Wort und kann sagen, was gut und was ausbaufähig war. Ich sitze still daneben und merke, alle sind schon geübt darin, auch die kleinsten Fehler rauszuhören und wissen teilweise schon, wie es beim nächsten Mal besser wird. Nach den alten werden auch direkt die neuen Ideen für Beiträge besprochen und Stefan hat sogar schon ein 30-Minuten-Interview, das er heute schneiden soll. Er erzählt mir, was eigentlich seine Aufgaben sind: „Zurzeit bin ich Praktikant und das heißt vor allem eins: Alles ein bisschen machen. Ein bisschen journalistisch arbeiten, Interviews führen, recherchieren, rausfahren und dann die ganzen Sachen selber schneiden. Heißt aber auch, Vorproduktionen müssen gemacht werden. Das sind so die Bestandteile des Praktikums.“ Mit Vorproduktionen meint Stefan kurze Beiträge, die unter der Woche immer zu bestimmten Zeiten bei CT laufen und immer die gleichen Kategorien haben. Ehe ich mich versehe, sind schon ein paar Stunden vergangen und im Raum verteilt arbeiten alle konzentriert am Computer. Zwischendurch werden im Studio Vorproduktionen eingesprochen. Trotz der Arbeit findet zwischendurch mal ein privates Gespräch statt oder Fragen zum Schnitt oder Themenideen werden ausgetauscht. Ich unterhalte mich mit Mike und er erzählt mir: „CT ist in erster Linie ein Uniradio, aber auch ein Verein, der geführt wird von Studierenden für Studierende und das merkt man auch an allen Ecken und Kanten.“ Das Programm bei CT richte sich deutlich an die Studierenden, unter anderem werden Institutionen und Veranstaltungen am Campus vorgestellt, wie zum Beispiel die vom Nachhaltigkeitsbüro initiierte Aktion, bei der Hochbeete auf dem Campus gebaut und bepflanzt wurden.

Als die Zeit Richtung 18 Uhr geht, schlendere ich durch die Redaktion und gucke den Praktikant:innen über die Schulter. Bei Stefan sind aus einem 30-minütigen Interview ein paar kurze Ausschnitte ausgewählt und von der Tonqualität bearbeitet worden. Aus der Idee, die Mike Mara bei Tagesbeginn genannt hat, formt sich inzwischen ein fertiger Beitrag. Wenn ich darüber nachdenke, dass auch sie ohne Vorerfahrung ihr Praktikum begonnen hat und jetzt einen eigenen Beitrag vor sich hat, werde ich schon neugierig, was man hier noch alles lernen kann.
Wie es weitergehen kann

Mara erzählt mir, wie ihre Zukunft bei CT aussehen soll: „Ich habe mich so gut wie für jeden Workshop eingeschrieben und ich möchte auf jeden Fall CvD werden und anderen was beibringen. Als Nachrichtensprecherin würde ich auch gerne arbeiten.“ Mit internen Workshops kann man sich also weiter entwickeln über CvD und NvD bis hin zum Moderator und Moderatorin. „Ich glaube schon, dass die Arbeit bei CT gut auf einen Einstieg in den Journalismus vorbereitet.“ sagt mir Stefan. Das Konzept finde ich super, Studierende bringen anderen Schritt für Schritt bei, wie beim Radio gearbeitet werden kann und das immer auf Augenhöhe. So kann man einiges lernen, was für den journalistischen Arbeitsmarkt eine gute Grundlage bietet. Nach den Gesprächen mit Lea und Stefan über ihre Zukunft bei CT neigt sich der Tag dem Ende zu. So ging es von der schlafenden Redaktion, die gerade aufwacht, hin zu geschäftigem Treiben, bei dem aus groben Ideen fertige Radio-Beiträge wurden. Jetzt verstummt die Musik an den Arbeitsplätzen wieder, das Licht geht aus und alle gehen nach Hause. Alles ist vorbereitet, sodass der nächste Tag wieder genau da starten kann, wo auch mein Tag begonnen hat.
Falls auch ihr eure ersten Schritte Richtung Journalismus machen möchtet und keine Ahnung habt, wo ihr anfangen sollt, meldet euch bei CT das radio. Infos zum Sender, dem Programm oder zum Mitmachen findet ihr auf der Homepage.

