Ein Bericht von Annika Niehues
Der Kalender ist voll, der Kopf noch voller: Abgaben, Prüfungen und oft bleibt das Gefühl, kaum durchatmen zu können. Wenn der Druck wächst und die Gedanken nicht zur Ruhe kommen, wird der Studienalltag zur Belastung. Kennst du das auch und suchst Unterstützung? Dann bist du hier genau richtig.
Montagmorgen, 8 Uhr. Die Vorlesung beginnt gleich, aber die Gedanken sind woanders: Die Hausarbeit ist noch nicht fertig, die nächste Prüfung steht an und nach der Vorlesung folgt der Nebenjob. Dazu kommen haufenweise Mails, die eine Antwort fordern und die Frage, wie es nach dem Studium weitergehen soll. Was von außen wie ein normaler Studienalltag aussieht, fühlt sich für viele Studierende wie ein permanentes Kopfkarussell an. Der Druck ist da, die Gedanken kreisen und oft bleibt das Gefühl, damit allein zu sein. Genau an diesem Punkt setzt die Psychologische Studienberatung (PSB) der Ruhr-Universität Bochum an. Sie ist eine Anlaufstelle für Studierende, die in solchen Momenten Unterstützung und Orientierung suchen.

„Unser Ziel ist es, Studierende in ihrer mentalen Gesundheit zu stärken und ihre Studierfähigkeit langfristig zu erhalten“, erklärt Antonia Weidel, ein Teammitglied der PSB. Sie setzt sich insbesondere mit der Strukturierung und der Alltagsbewältigung im Studium auseinander. Die Beratung der PSB betrachtet nicht nur die Belastung des Studiums. Sie umfasst die gesamte Lebenssituation, denn auch familiäre und soziale Einflüsse wirken sich unmittelbar auf das Studium sowie auf das individuelle Belastungsempfinden aus.
Wie kann man sich so eine Beratung in der PSB vorstellen?
Einzelberatung – Du hast Sorgen? Dann komm vorbei!
Der Einstieg erfolgt meist über ein Erstgespräch, das per Mail, Moodle oder telefonisch vereinbart werden kann. Die Beratung findet häufig im Peer Quartier statt, um bewusst Abstand zum universitären Alltag zu schaffen. In diesem Gespräch wird die mitgebrachte Problematik zunächst gemeinsam eingeordnet. Je nach Bedarf können anschließend Folgetermine vereinbart werden, um Strategien für die jeweils individuelle Situation zu finden.

„Wir arbeiten nicht wie eine Psychotherapie, […] sondern sehen Gesundheit als ein biopsychosoziales Modell“, erläutert Weidel. Das heißt, dass es sich hierbei um einen ganzheitlichen Ansatz handelt, mit dem man versucht zu verstehen, dass Krankheiten nicht nur durch körperliche Ursachen entstehen, sondern durch das psychische Befinden und das soziale Umfeld entscheidend beeinflusst werden.
Die Beratung verläuft meist unter dem Motto „Empowerment“: Ziel ist es, Studierende zu stärken und ihnen zu helfen, eigene Lösungswege zu entwickeln, statt fertige Ratschläge vorzugeben. Die Strategien sollen dabei individuell zum Studierenden passen und gemeinsam erarbeitet werden.
Gruppenangebote – Manchmal bedarf es Austausch
Nicht jede Situation lässt sich im gleichen Rahmen lösen. Deshalb bietet die PSB in ihrer Vielfältigkeit auch verschiedene Gruppenangebote an. Diese sind themenspezifisch und dienen primär dem Austausch mit anderen. Man muss nicht allein mit seinen Problemen umgehen. Diese Angebote umfassen unter anderem den Umgang mit Prokrastination, Achtsamkeit, Prüfungscoaching, Einsamkeit, Waldbaden und vieles mehr. (weitere Angebote hier).

Antonia Weidel selbst bietet das Format Walk and Talk an, bei dem Studierende sich während des Spazierengehens austauschen oder einfach vom Uni-Alltag abschalten können. „Viele merken in Gruppen zum ersten Mal, dass sie mit ihren Problemen nicht allein sind“, berichtet Weidel. Studierende haben diesen Angeboten zum größten Teil positives Feedback gegeben.
Eine weitere Möglichkeit ist die offene Supportgruppe. Hier findet nicht nur ein Austausch statt, sondern auch eine begleitete Beratung innerhalb der Gruppe, so wie es auch in der Einzelberatung erfolgt. Studierende können sowohl Einzel- als auch Gruppenangebote nutzen.
Verantwortung der Universität
Solche Angebote sind leider keine Selbstverständlichkeit. Nicht alle Hochschulen verfügen über eine eigene psychologische Studienberatung. An der RUB ist die PSB Teil der Student Life Cycle Services, die verschiedene Unterstützungsangebote für Studierende bündeln. Die Beratung ist somit nicht nur freiwillig, sondern auch ein Ausdruck der Verantwortung der Universität für das Wohl ihrer Studierenden.
Mentale Gesundheit im Studium – Warum sie so wichtig ist

Das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) zeigt in einer Studienbefragung von 2021, dass 15,9 % der Studierenden von einer studienerschwernden Beeinträchtigung betroffen sind. 65,2 % davon leiden unter einer psychischen Erkrankung. Dabei ist die mentale Gesundheit entscheidend für das Studium. Das beleuchtet auch Weidel mit einem alternativen Modell des „Hauses der Arbeitsfähigkeit“* für Studierende. Mentale Gesundheit ist das Fundament der Studierfähigkeit und sorgt für die nötige Balance. Wer durch zusätzliche Sorgen und Probleme belastet ist, hat weniger Kapazität, sich auf das Studium zu konzentrieren.
Gerade die Studienzeit ist eine Phase intensiver persönlicher Entwicklung, in der Orientierung und Unterstützung besonders wichtig sind, erklärt Weidel. Deshalb darf die mentale Gesundheit keine Nebensache sein. Sie ist eine zentrale Voraussetzung für das Studium.
Hemmschwellen? Vielleicht nimmt dir das die Angst!
Viele Studierende zögern, Hilfe in Anspruch zu nehmen oder sich einzugestehen, dass sie Unterstützung brauchen. Hinzu kommt oft Unsicherheit: Werde ich ernst genommen oder verurteilt? Sind meine Sorgen überhaupt berechtigt?
Die PSB versucht, genau diese Hürden abzubauen. Weidel äußert sich wie folgt dazu:
„Mentale Gesundheit ist oft noch stigmatisiert. […] Wenn Sie ein gebrochenes Bein haben, sagt niemand: „Du darfst auf keinen Fall zum Arzt“. An einer psychischen Belastung gibt man sich häufig noch selbst die Schuld. Dabei ist Unterstützung vollkommen normal und hilfreich.“
Die Angebote stehen allen eingeschriebenen Studierenden offen und finden vertraulich sowie ergebnisoffen statt. Es geht nicht darum, Vorgaben zu erhalten, sondern gemeinsam herauszufinden, was helfen kann. Studierende sollen lernen, sich selbst aus einer anderen Perspektive zu betrachten und eigene Handlungsmöglichkeiten zu erkennen. Antonia Weidel empfiehlt gerne: „Sprechen Sie zu sich wie eine gute/r Freund/in, man ist oft viel zu hart zu sich selbst“.
Noch Fragen? Dann schauen Sie auf der Homepage der Psychologischen Studienberatung der Ruhr-Universität Bochum vorbei.
*Das Haus der Arbeitsfähigkeit ist ein Modell, das die verschiedenen Faktoren aufzeigt, die die Leistungsfähigkeit beeinflussen. Es stellt sich ein Haus mit mehreren Ebenen vor: Das Fundament bildet die Gesundheit, die erste Etage die Kompetenzen, die zweite Etage die Werte und die dritte Etage die Arbeitsbedingungen. Jede Ebene ist für die jeweilige Ebene relevant. Nur wenn das Fundament stabil ist, kann das „Haus“ und damit auch die Arbeitsfähigkeit langfristig bestehen.
Links:
Homepage der psychologischen Studienberatung
DZHW-Studie
Kontakte
E-Mail der Psychologischen Studienberatung
psychberatung@ruhr-uni-bochum. de
Adresse
Peer Quartier
Buscheyplatz 3
44801 Bochum
Antonia Weidel
Psychosoziale Einzel- und Gruppenberatung in Multiproblemlagen, Schwerpunkt Strukturierung und Alltagsbewältigung im Studium
E-Mail: antonia.weidel@ruhr-uni-bochum.de
Telefon: 0234 32 15080
Weitere Kontakte auf der Homepage!

