PSE: Im Interesse der Studierenden

Autorin: Alyssa Niklas | Titelbild: Professional School of Education

„Ich studiere mit dem Berufsziel Lehramt.“ Diesen Satz dürften bei rund 22 Unterrichtsfächern, die man an der Ruhr-Universität Bochum mit dem Berufsziel Lehramt studieren kann, wohl schon einige Studierende gesagt haben. Die Professional School of Education, oder kurz PSE, bildet einen der wichtigsten Bestandteile der Lehrer:innenausbildung an der RUB und begleitet angehende Lehrer:innen durch das Studium. Es gibt vielfältige Angebote, bei denen sie großen Wert auf innovatives Denken und die Begegnung auf Augenhöhe mit den Studierenden legt.

Mitgestaltung an der PSE

Zusammen mit den Fakultäten, die lehramtsgeeignete Studiengänge anbieten, trägt die Professional School of Education seit 2010 die Verantwortung für die Entwicklung und Durchführung der Ausbildung zur schulischen Lehrkraft. Sei es die Beratung rund um die Praktika im Bachelor-Studium, die Koordinierung des Praxissemesters im Master oder die Ausstellung der Zeugnisse, die PSE ist dafür die erste Anlaufstelle. Ihr Tätigkeitsbereich umfasst ein breites Spektrum, welches durch das Angebot von Fortbildungen für bereits ausgebildete Lehrer:innen, über das Studium hinausragt. Dabei liegt die stetige Weiterentwicklung der Inhalte und die Berücksichtigung der Wünsche und Bedürfnisse der Studierenden fortwährend im Fokus, wie mir Dr. Henning Feldmann, Geschäftsführer der PSE, erklärt. „Das wäre meine Wunschvorstellung, dass man eigentlich mehr in dieses gemeinsame Gestalten des Studiengangs reinkommt mit den Studierenden.“ erklärt er und betont, wie wichtig dabei der Austausch mit den Studierenden ist. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der PSE ist der Wissenstransfer mit Schulen und Lehrkräften, der bei der Konzeption und Weiterentwicklung des Studiengangs Master of Education elementar ist. Dr. Feldmann fasst es wie folgt zusammen:  

Dr. Henning Feldmann, Geschäftsführer PSE
Foto: Alyssa Niklas

„Die schulische Realität findet ja nicht in unseren Räumen statt, sondern woanders und es ist super wichtig für uns, dass wir das auch mitbekommen. Was treibt die Lehrkräfte um? Was treibt die Schüler:innen um? Um dann eben auch im Studiengang reagieren zu können. […] Deswegen ist der Transferbereich nicht nur einseitig, sondern eigentlich ein wechselseitiges Konstrukt.“

Mehr als nur Beratung

Innovative Field Lab
Foto: Alyssa Niklas

Die PSE bietet neben der Beratungs- und Koordinierungsposition und den dazu gehörigen Anlaufstellen, wie das Praktikumsbüro, einige weitere besondere Angebote. Diese richten sich an alle Beteiligten der Lehrer:innenausbildung und können sowohl für den schulischen als auch im studentischen Alltag genutzt werden. Das Studio 958 befindet sich seit 2020 im GAFO. Es umfasst zahlreiches Equipment (Kameras, Aufnahmegeräte, Mikrofone, etc.), welches ihr für die Medienproduktion auf Nachfrage buchen könnt. Ebenfalls wird von der PSE eine Medienausleihe angeboten, wo euch Geräte wie Tablets, Interaktive Whiteboards, VR-Brillen zur Nutzung mit dem Smartphone, Teleprompter und vieles mehr, zur Verfügung gestellt werden.

Seit Ende 2021, könnt ihr auch im Innovative Field Lab (IFL), ein offener Lounge- und Lernbereich, welcher sich im GAFO auf Ebene 05 befindet, Platz finden. Geöffnet ist dieser i. d. R. von Montag bis Donnerstag jeweils zwischen 9 und 17 Uhr und am Freitag von 10 bis 15 Uhr.

Angebote auch nach dem Studium

Ihr habt euer Studium und Referendariat bereits erfolgreich abgeschlossen und startet nun als ausgebildete Lehrkräfte in den Schulalltag? Auch für euch bietet die PSE in Kooperation mit der Akademie der RUB ein breites Angebot. Momentan arbeitet die PSE an 15 laufenden Projekten, die alle im Bezug zu schulrelevanten und didaktischen Themen stehen, wie z. B. Inklusion oder Digitalisierung. Aus den verschiedenen Projekten heraus entwickelt die PSE manchmal auch Weiterbildungsprogramme, die teilweise auch an der RUB Teachers Academy angeboten werden. Die Programme richten sich hauptsächlich an ausgebildete Lehrer;innen, die bereits ihr Referendariat abgeschlossen haben. Feldmann beschreibt die Angebote als „eine bunte Mischung an unterschiedlichen Formaten und wer sich davon angesprochen fühlt ist herzlich willkommen.“ Einblicke in die aktuellen Angebote, sowie Anmeldefristen, bietet die Broschüre mit allen Fortbildungs- und Serviceangeboten, die regelmäßig aktualisiert und auf der Website zu Verfügung gestellt wird.

PSE maximal digital

Um in einfachen und niedrigschwelligen Kontakt mit den Studierenden treten zu können, ist die PSE breit im digitalen Bereich aufgestellt. Ihr Ziel: Eine Community bilden, die sowohl untereinander als auch mit der PSE in den Austausch treten kann. Dr. Feldmann appelliert: „Folgt uns gerne auf den Social-Media-Kanälen!“ und scherzt, dass das schwarze Brett im GB nicht reicht.

Neben der Homepage habt ihr die Möglichkeit den Newsletter Schoolnews zu abonnieren, der zweimal jährlich veröffentlicht wird.

Informationen und Einblicke rund um die Lehrer:Innenausbildung an der RUB werden auch in dem PSE eigenen Podcast #insidePSE einmal im Monat behandelt. Finden könnt ihr den Podcast auf Spotify oder überall, wo man Podcasts hören kann. Zudem gibt es auch noch einen weiteren Podcast namens „Digitalisierung in der Ausbildung von Lehramtsstudierenden: Orientierung und Gestaltung ermöglichen“ (EduDiAL:OGe). Dieser ist aus dem Projekt „Digitalisierung in der Ausbildung von Lehramtsstudierenden: Orientierung und Gestaltung ermöglichen“ (DiAL:OGe) hervorgegangen und spricht explizit über die Digitalisierung in der Lehrkräftebildung.

Natürlich ist die PSE auch in den Sozialen Medien vertreten. Auf dem YouTube Kanal PSE Bochum bekommt ihr Einblicke in die PSE und mit dem neuen Format „Nachgefragt“ habt ihr nicht nur die Möglichkeit das Team der PSE kennenzulernen, sondern auch wichtige Fragen rund um das Lehramtsstudium beantwortet zu bekommen.

Auf Instagram (Username: PSErub) solltet ihr der PSE selbstverständlich auch folgen, damit ihr keine aktuellen Ereignisse mehr verpasst.

Auch auf LinkedIn ist die PSE vertreten. Dort werdet ihr nach dem Abonnieren nicht nur auf dem Laufenden gehalten rund um die aktuellen Vorträge und Events, sondern könnt die Plattform auch für den Austausch und die Vernetzung mit der PSE und Kommiliton:innen nutzen.

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Mit Kind erfolgreich studieren: Die 3 wichtigsten Tipps

Autor: Jamie Karasch | Bilder: Jamie Karasch

Konzentration auf Kind und Studium. Manchmal gar nicht so einfach, oder? Beides unter einen Hut zu bringen ist eine bemerkenswerte Aufgabe, die unterstützt werden sollte. Die RUB bietet verschiedene Angebote, um dies zu tun. Besonders weiterhelfen kann die Stabstelle Familiengerechte Hochschule. Hier ein kurzer Überblick über einige ihrer Tätigkeiten.

1. Betreuung auf dem Campus

In Zusammenarbeit mit dem AKAFÖ gibt es auf dem Campus der RUB zwei Einrichtungen zur Kinderbetreuung. Die Kita Lennershof und die UniKids. Beide Institutionen sind für Studierende und Beschäftigte der RUB eine beliebte Anlaufstelle.

Sarah Rittmann, die Koordinatorin der Stabstelle FGH, verrät mir in einem Interview verschiedene Merkmale der Kinderbetreuungen. „Die Kita Lennershof, die vor allem für Studierende ausgerichtet ist“, bietet zwischen 7:30 und 17:30 eine Betreuung für 90 Kinder im Alter von 4 Monaten bis 6 Jahren. In dieser Zeit erwartet die Kinder eine Menge Spiel und Spaß, drei Essensangebote und eine qualifizierte Betreuung. Die Aktivitäten finden in Gruppen mit ca. 18 Kindern statt. Diese Gruppen sind so eingeteilt, dass durchaus Kinder unterschiedlichen Alters zusammen betreut werden. Die Kita Lennershof verspricht sich damit „gute Voraussetzungen für die Entwicklungs- und Lernprozesse der Kinder“1.

In jeder Gruppe stehen den Kindern außerdem zwei Erzieher:innen und ein:e Kinderpfleger:in zur Verfügung. Die Kindertagesstätte befindet sich direkt am Campus, hinter den Gebäuden der I-Reihe gegenüber dem Eingang der Hochschule. Weitere Informationen können hier abgerufen werden.
Bei UniKids sind besonders die Betreuungszeiten hervorzuheben, von 7:00 bis 20:00, die somit auch Seminare und Vorlesungen in den Abendstunden abdecken. Bei den UniKids sind Kinder ab 4 Monaten, bis sie eingeschult werden, willkommen. Etwa 50 Kinder unter 3 Jahren und 60 Kinder über 3 Jahren finden südwestlich der Mensa auf dem Campus einen Platz.
Weitere Informationen und Möglichkeiten zur Anmeldung sind hier auf der Website vom AKAFÖ zu finden.

2. Kinderferienbetreuung

Für Kinder, die bereits in die Schule gehen, ist ein Großteil der Betreuung durch die Schule abgedeckt. Doch Schulferien zu Ostern, im Sommer und im Herbst fallen eigentlich immer in die vorlesungsfreie Zeit und Eltern können nicht so viel Urlaub für die Kinder nehmen. Aus diesem Grund bietet die Stabstelle FGH bereits seit einiger Zeit Kinderferienbetreuungen an. Kinder von 6 bis 13 Jahren können von ihren Eltern angemeldet und dann in den Ferien von Montag bis Freitag von 8:00 bis 17:00 Uhr auf dem Campus betreut werden. „Große Fläche, kurzer Weg zur Bahnhaltestelle und Mensa“ hebt Sarah Rittmann in unserem Gespräch die Vorteile für die Kinderferienbetreuung auf dem Campus der RUB hervor.

Damit man Eltern und Kindern ein reibungsloses Angebot zur Verfügung stellen kann, wird mit dem Veranstalter FUNTIME zusammengearbeitet. Ein großer Betreuer:innenschlüssel und die Planung von Motto-Wochen sind nur einige der vielen positiven Aspekte, die mit der Zusammenarbeit einhergehen.
Des Weiteren zeichnet sich die Kinderferienbetreuung über die Anmeldegebühr aus. Eltern der Kinder dürfen gemäß einer „solidarischen Selbsteinschätzung“ die Anmeldegebühr selbst wählen. Eltern können sich für einen Beitrag von 60,- und 90,-€ entscheiden. Auch hier erzählt mir Sarah Rittmann, dass die Stabstelle FGH schon lange auf dieses Konzept aufbaut, es beibehalten möchte und es als fair empfunden wird.
Eine typische Woche in den Ferien sieht laut Frau Rittmann so aus: „Zunächst einmal versuchen wir ein möglichst interessantes Angebot für möglichst viele Kinder anzubieten“. In neuen Räumlichkeiten auf dem Campus finden sich viele Spielsachen und Bastelmaterialien für die Kinder. Zusätzlich werden Ausflüge gemacht, zum Beispiel zum Planetarium oder zum Bouldern. „Die Ferienbetreuung ist ein wichtiger Baustein, der natürlich auch Studierenden zur Verfügung steht“. Auch zu der Kinderferienbetreuung können weitere Informationen und das Anmeldeformular hier auf der Website der Stabstelle FGH eingesehen werden.

3. Besondere Räume für Student*innen mit Kind

Über den Campusplan für Familien sind Rückzugs-, Still- und Wickelräume leicht zu finden und erleichtern das Studieren mit Kind sehr. Die Räume sind mit Tür-Codes versehen, die allen Eltern nach einer einmaligen Registrierung zur Verfügung gestellt werden. Das Registrierungsformular und die Kontaktadresse finden sie ebenfalls hier auf der Website der Stabstelle Familiengerechte Hochschule.

Mit diesen drei Angeboten steht dem Studieren mit Kind nichts mehr im Wege.

1 https://www.akafoe.de/kinder

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Campusnah, bezahlbar und barrierefrei? Mangelware! – Ein Interview zur Relevanz barrierefreien Wohnraums für Studierende mit Behinderung

Autor: Jenson Göb | Titelbild: katermikesch

Interview mit Michaela Kusal, Inklusionsberaterin beim AKAFÖ & Beauftragte für die Belange Studierender mit Behinderung und/oder chronischen Erkrankungen an der RUB, geführt von Jenson Göb

Das Studium als neuer Lebensabschnitt bringt so einige neue Eindrücke mit sich. Neben dem Kennenlernen neuer wissenschaftlicher Perspektiven und nicht zuletzt dem Schließen neuer Bekanntschaften und Freundschaften, geht für viele junge Menschen mit dem Studienbeginn auch ein Auszug aus gewohnten Gefilden in eine eigene Wohnung oder WG einher. Doch welche Besonderheiten und Herausforderungen stellen sich dabei, wenn man aufgrund einer Behinderung oder chronischen Erkrankung nicht in eine kleine Dachgeschosswohnung oder ein WG-Zimmer im 4. Stock ohne Fahrstuhl ziehen kann? Darüber habe ich mit Michaela Kusal, der Inklusionsberaterin vom Akademischen Förderungswerk Bochumer Hochschulen (AKAFÖ) und Beauftragten für die Belange von Studierenden mit Behinderung und / oder chronischen Erkrankungen an der RUB, gesprochen.

Michaela Kusal in ihrem Büro im Beratungszentrum für Inklusion (BZI) an der RUB
Foto: Jenson Göb

Jenson Göb: Hallo Frau Kusal, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, mit mir über die Bedarfe und Besonderheiten hinsichtlich barrierefreien Wohnraums für Studierende in Bochum zu sprechen. Zunächst einmal die Frage: Was macht barrierefreien studentischen Wohnraum denn überhaupt aus und welche Aspekte sind zu beachten?

Michaela Kusal: Grundsätzlich unterscheidet sich barrierefreier Wohnraum für Studierende erstmal nicht von barrierefreiem Wohnraum für andere Menschen mit Behinderung. Zum einen ist dabei die Zugänglichkeit relevant: Die Wohnung oder das Zimmer muss stufenlos zugänglich sein und auch genügend Platz bieten, damit zum Beispiel Rollstuhlfahrende problemlos wenden oder Hilfsmittel wie beispielsweise ein Duschstuhl untergebracht werden können. Zum anderen bezieht sich Barrierefreiheit nicht nur auf mobilitätseingeschränkte Menschen, sondern auch auf Menschen mit Sinnesbeeinträchtigung wie Gehörlose oder Menschen mit einer Sehbehinderung. Für diese ist dann beispielsweise eine kontrastreiche Gestaltung des Wohnraums notwendig, damit eine räumliche Tiefe entsteht und Personen, die in ihrer Sehfähigkeit eingeschränkt sind, sich gut zurechtfinden. Darüber hinaus kann es für Personen, die aufgrund ihrer Behinderung oder chronischen Erkrankung geräusch- oder lichtempfindlich sind, wichtig sein, dass Räume gut schallisoliert sind, oder es ist die Nutzung eines eigenen Badezimmers erforderlich. Es gibt also viele Sachen, an die man nicht sofort denkt, die aber für (eingeschränkt) barrierefreies Wohnen Berücksichtigung finden sollten. Ein Spezifikum für studentisches Wohnen ist bei Studierendenwohnheimen, dass auch alle Gemeinschaftsflächen nach barrierefreien Standards ausgerichtet sein sollten. Gemeinschaftsküchen, Aufenthaltsräume, Balkone und Terrassen oder gemeinschaftliche Grillplätze sollten demnach auch für alle Bewohner*innen zugänglich sein.

Jenson Göb: Welchen Stellenwert hat campusnaher barrierefreier Wohnraum für Studierende denn generell für die Inklusion an Hochschulen?

Michaela Kusal: Die Relevanz ist enorm. Studierende mit Behinderung haben mitunter einen besonderen Bedarf an campusnahem Wohnraum, weil der Zugang eine ganz große Rolle spielt. In Bochum ist der ÖPNV immer noch nicht barrierefrei ausgebaut, obwohl das seit 2022 eigentlich eine EU-Vorschrift ist. Einige Bushaltestellen und U-Bahnstationen sind noch immer nicht barrierefrei zugänglich. Solange das nicht gegeben ist, ist die Mobilität und die Anfahrt zur Hochschule immer noch eine Barriere. Ich erinnere da an die Situation, die wir dieses Jahr im Frühjahr während der Prüfungsphase hatten. Da waren die Aufzüge der Haltestelle zur Ruhr-Universität kaputt und in der Prüfungsphase war klar, dass Menschen, die mobilitätsbeeinträchtigt sind und nicht einfach die Treppe nutzen können, nicht mit dem ÖPNV zum Campus fahren können, um ihre Prüfungen zu absolvieren. Da kann dann mitunter ein ganzes Semester verloren gehen, wenn man an einer Prüfung deshalb nicht teilnehmen kann, was wiederum Auswirkungen auf die Studienfinanzierung haben kann, wenn man BAföG bezieht. Das sind alles massive strukturelle Nachteile für Studierende mit Behinderung. Betrachtet man solche Fälle, ist campusnaher barrierefreier Wohnraum für viele Studierende mit Behinderung Voraussetzung, um hier studieren zu können.

Jenson Göb: Gibt es Richtlinien oder Standards, wie viel (eingeschränkt) barrierefreier Wohnraum von Studierendenwerken wie dem AKAFÖ zur Verfügung gestellt werden sollte?

Michaela Kusal: Beim Deutschen Studierendenwerk (DSW), dem Verband der deutschen Studierendenwerke, dem das AKAFÖ angehört, ist das Thema barrierefreien Wohnraums zwar angesprochen worden, aber es gibt keine intern verabredeten Richtlinien. Es wäre wünschenswert, dass das DSW gemeinsam erarbeitete Richtlinien vorgibt, die regeln, wie viele barrierefreie Wohnplätze beim Bau neuer Studierendenwohnheime einzuplanen sind und welche Vorgaben dafür zu beachten sind. Das würde bundesweit das Angebot an barrierefreiem Wohnraum für Studierende mit Behinderung enorm verbessern und wäre ein großer Schritt nach vorn. Derzeit ist es allerdings so, dass jedes Studierendenwerk in diesem Aspekt für sich allein agiert und eher projektbasiert entscheidet, wie viel und ob überhaupt barrierefreier Wohnraum für Studierende mit Behinderung oder chronischen Erkrankungen geschaffen wird.

Jenson Göb: Das AKAFÖ betreibt eigenen Angaben zufolge mehr als 4.200 Wohnplätze, wovon knapp zwei Prozent als (eingeschränkt) behindertengerecht deklariert sind. Dem gegenüber steht ein durchschnittlicher Anteil von 15,9 Prozent Studierender mit studienerschwerenden Beeinträchtigungen an deutschen Hochschulen. Nun sind davon sicherlich nicht alle auf einen (eingeschränkt) barrierefreien Wohnplatz in Campusnähe angewiesen, doch von außen betrachtet drängt sich eine Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage an barrierefreiem studentischem Wohnraum auf. Wie beurteilen Sie die Lage in Bochum als Inklusionsberaterin an der Schnittstelle zwischen betroffenen Studierenden und Verfügbarkeiten des AKAFÖ?

Michaela Kusal: Leider fällt es mir schwer, diese Lage einzuschätzen, weil ich keine Informationen darüber habe, wie viele Studieninteressierte mit Bedarf an barrierefreiem Wohnraum sich vielleicht die Website anschauen und dann von einer Bewerbung auf einen Wohnplatz des AKAFÖ absehen. Was ich von unserer Beratungsfunktion ausgehend sagen kann ist, dass derzeit der gesamte barrierefreie Wohnraum belegt ist. Wir sind aktuell an dem Punkt, dass wenn sich jemand mit einer körperlichen Behinderung und Bedarf an barrierefreiem Wohnraum bei uns melden würde, wir keinen Wohnraum haben, den wir anbieten können – und das ist ein Problem. Nun muss man sagen, dass die Studierendenwohnheimplätze generell – also auch für Studierende ohne Bedarf an Barrierefreiheit – derzeit nicht ausreichend sind. Wenn wir vor dem Hintergrund der generellen Knappheit, wie von Ihnen angeführt, von einem Anteil von zwei Prozent barrierefreien Wohnraums sprechen, dann ist die Lage insgesamt schlecht, aber für die Zielgruppe der Studierenden mit Beeinträchtigung dramatisch.

Jenson Göb: Im Jahr 2022 musste das Studierendenwohnheim des AKAFÖ am Sumperkamp (nahe dem Uni-Center), das mehr als 30 barrierefreie Wohnplätze bot, wegen erheblichen Sanierungsbedarfes geschlossen werden. Welche Auswirkungen hat das aus Ihrer Beratungsperspektive für die Situation von Studierenden mit Behinderung, die Bedarf an barrierefreiem Wohnraum nahe der RUB haben?

Michaela Kusal: Mit der Schließung des Sumperkamps standen wir zunächst einmal vor der Herausforderung, diejenigen Mieter*innen mit Behinderung auf bestehenden anderen barrierefreien Wohnraum zu verteilen. Glücklicherweise entstand in dem Zeitraum ein Neubau, der ohnehin etliche Aspekte der Zugänglichkeit berücksichtigte. So konnten wir bedarfsspezifisch vielen ehemaligen Mieter*innen des Wohnheims am Sumperkamp Wohnplätze anbieten, die zwar nicht nach offiziellen Standards als barrierefrei gelten, jedoch im Einzelfall für die Bedarfe der Studierenden mit Behinderung geeignet sind. Andererseits ist es aber auch so, dass der barrierefreie Wohnraum des neugebauten Wohnheims, anders als geplant, gar nicht als zusätzlicher barrierefreier Wohnraum in unsere Kapazitäten eingegangen ist, weil wir ja durch den Wegfall des Sumperkamps über 30 barrierefreie Wohnplätze verloren haben, was sich schon auswirkt.

Ehemalige Studierendenwohnanlage am Sumperkamp, die 2022 geschlossen wurde
Foto: Jenson Göb

Es waren nicht immer alle der barrierefreien Wohnplätze im Studierendenwohnheim am Sumperkamp von Studierenden mit Behinderung belegt. Wenn sich dann jemand mit barrierefreiem Bedarf an unsere Beratung gewandt hat, konnten wir im Einzelfall ein Angebot schaffen. In dieser komfortablen Lage sind wir nun nicht mehr. Jetzt müssen wir Studierenden mit Behinderung oder chronischer Erkrankung in einer Erstberatung fairerweise sagen, dass es mit barrierefreiem Wohnraum schwierig aussieht und sie sich dahingehend nochmal jenseits des Studierendenwerkes orientieren müssen.

Jenson Göb: Vielen Dank für das Interview und die Einblicke in die Lage hinsichtlich barrierefreien Wohnraums für Studierende!

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