Institut für Deutschlandforschung an der RUB – Relevanter denn je

Autor: Robert Kurth | Titelbild: klausdie

Das Spektrum der Arbeit des Instituts für Deutschlandforschung (IdF) hat sich seit der Gründung immer wieder verändert und erweitert. Die Aufarbeitung der SED-Diktatur in der DDR, die Friedliche Revolution 1989/90 und die Entwicklung des deutsch-deutschen Verhältnisses seit der Wiedervereinigung stehen im Zentrum des Interesses. Der Fokus wurde zur Perspektiverweiterung auf eine europäische Ebene gehoben. Studierende können wertvolle Einblicke erfahren – und werden dafür mit Credit Points im Optionalbereich belohnt.

„Mit der Arbeit begonnen hatte das Institut bereits vor der offiziellen Gründung 1989“, berichtet Dr. Frank Hoffmann, Geschäftsführer des Instituts für Deutschlandforschung an der RUB und dort selbst bereits seit 1992 tätig. „Das Institut wurde Mitte der 80er Jahre des 20. Jahrhundert als Institut der alten westdeutschen DDR-Forschung gegründet. Ziel war dabei die Bewertung der DDR an ihren eigenen Maßstäben und der Blick auch auf positive Entwicklungen.“

Dr. Frank Hoffmann – Geschäftsführer des Instituts für Deutschlandforschung.
Foto: Robert Kurth

Nach der friedlichen Revolution 1989/90, kurz nach der offiziellen Gründung, musste sich das Institut dann neu aufstellen. Die vorhandene integrative Perspektive aus Historiker*innen, Sozial- und Politikwissenschaftler*innen sowie Philolog*innen, die in ihrer Arbeit durch Jurist*innen, Geograph*innen und Publizist*innen unterstützt wurden, bildeten die perfekte Grundlage für innerdeutsche Landeskunde. Die Landeskunde wurde dabei invers aufgefasst: In Zeiten, in denen niemand mit dem neuen Deutschland umzugehen wusste, wurden durch das Institut für Deutschlandforschung viele europäische Projekte initiiert, um europäischen Partner*innen Hilfestellung zu leisten. Somit entwickelte sich neben der Aufarbeitung der SED-Diktatur der europäische Kontext des deutsch-deutschen Verhältnisses zu einer zweiten Säule der Forschung. Projekte wie das Promotionskolleg Ost-West oder RUB Europadialog waren lange Zeit Basis von Austausch und wissenschaftlicher Zusammenarbeit mit Akademiker*innen aus ganz Europa (überwiegend Osteuropa).

„Wir haben drei Säulen: Die Lehrverpflichtung mit Veranstaltungen, die wir im Optionalbereich anbieten. Eigene Projekte, die einen Qualifikations- und Informationsteil beinhalten und sich auch an die breite Öffentlichkeit wenden. Dann gibt es noch die internationalen Kontakte. Durch solche sollen im Zuge von Veranstaltungen unsere deutschen Probleme auf einer anderen Ebene weiterdiskutiert werden, sei es im Kontext des Kalten Kriegs oder jetzt der europäischen Integration.“ (Dr. Frank Hoffmann)

Der Wert des europäischen Diskurses

Die Wortfolge „Interdisziplinärer Arbeitskreis für Deutschland- und Europastudien“ im Untertitel zeigt die Bedeutung der europäischen Ebene des Diskurses und den Stellenwert für das Institut. Dabei ist die Deutschlandforschung jedoch nicht mehr nur Dienstleisterin für die Verbesserung des ausländischen Verständnisses. Vielmehr werden durch europäische Begegnungen innerdeutsche Differenzen neu bewertet, meint Frank Hoffmann. „Viele Dinge die wir (Westdeutschen; Anm. d. Autors) merkwürdig an Ostdeutschen finden, wie z. B. ein scheinbar anderes Demokratieverständnis, sind innerhalb Europas nicht ungewöhnlich. Beispielhaft kann man Polen, Ungarn, Italien, aber auch Frankreich und die Niederlande nennen. So gibt es ausgehend von unterschiedlichen Geschichten auch Unterschiede zwischen Pfälzern und Sachsen.“

In der Vergangenheit gab es Exkursionen nach Brüssel und für die Studierenden die Möglichkeit, sich dort mit Politiker*innen auszutauschen. Auch in Zukunft sollen wieder Projekte für europäische Begegnungen im Optionalbereich angeboten werden.

Lokaler Impact: Das Zeitzeugen-Projekt

Auf regionaler Ebene organisiert das Institut Zeitzeugengespräche in Schulen in ganz NRW, in denen die Schüler*innen mit Personen sprechen können, die in der DDR gelebt und mit dem System in Konflikt geraten sind. Diese Zeitzeug*innen berichten basierend auf eindrücklichen Erfahrungen wie einer Inhaftierung. Das Projekt fordert sehr viel Zeit in der Organisation. Jedoch verweist Frank Hoffmann auf den großen Beitrag dieser Gespräche, die das Verständnis für die DDR und die Zeit seit der Friedlichen Revolution fördern und für die Entwicklung auch innerhalb der DDR sensibilisieren können. Das Zeitzeugen-Projekt ist ein Paradebeispiel für nahbare Vermittlung, die über den Wert der einfachen Sachinformation hinausgeht.

Spannende Exkursionen im Optionalbereich

Eine gute Möglichkeit für Studierende nicht nur mehr über das Deutschlandinstitut und dessen Arbeit zu erfahren, sondern auch selbst lebhaft in diese Themengebiete einzutauchen, sind Exkursionen. Diese werden über das Institut für Deutschlandforschung angeboten und führen

regelmäßig in den Osten des Landes. Diese Eindrücke richten sich an alle Studierenden, „die ihr Studium auch für wertvolle Erfahrungen über die Geradlinigkeit der Pflichtveranstaltungen hinaus nutzen wollen,“ erklärt Frank Hoffmann. Zusätzlich werden Exkursionen mit Credit Points im Optionalbe

reich angeboten und sind somit auch hinsichtlich des Studiums attraktiv. Für das WiSe 2024/25 lohnt sich der Blick auf das Modul „Die bunte DDR – ein neues Bild vom anderen Deutschland?“ mit einer Reise nach Thüringen und Sachsen-Anhalt. Mehr Details zum Projekt findet Ihr hier!

„Die bunte DDR“.  Foto: Robert Kurth

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Kleine Gegenstände mit großen Geschichten – die faszinierende Welt der Münzsammlung der Ruhr-Universität Bochum

Autorin: Emily Nothbaum | Titelbild: Emily Nothbaum

Wie ein kleiner vergrabener Schatz liegt die antike Kunstsammlung der Ruhr-Universität unter der Bibliothek, mitten im Herzen des Campus und ist doch für vorbeilaufende Menschen oft erst auf den zweiten Blick sichtbar. Dabei versteckt sich hinter der unauffälligen Tür gegenüber vom Audimax ein stiller Ort, fernab vom Trubel des Universitätsalltags, der eine Vielzahl antiker Kunst- und Alltagsgegenstände beherbergt – unter ihnen auch die Münzsammlung der Ruhr-Universität Bochum (RUB).

Die Münze als „Mini-Kunstobjekt“

Zwischen eindrucksvollen Büsten, antiken Waffen und wunderschöner Keramik findet man im Keller des Museums vier Vitrinen. In ihnen: Eine Auswahl aus der Münzsammlung der RUB, die einen Bestand von rund 3.400 Münzen umfasst.

Im Gegensatz zu den auffälligen, bunt bemalten Keramikstücken, die sich in den Vitrinen neben den Münzen präsentieren, offenbart sich die Faszination der kleinen Münzen erst dann, wenn man sich über die Vitrine beugt und durch die platzierte Lupe auf die Stücke blickt.

Wie in einem eigenständigen, isolierten Museum werden kleine, detaillierte Szenen und Porträts sichtbar, die ganz unterschiedliche Geschichten erzählen und die Menschen seit geraumer Zeit in ihren Bann ziehen, so der Althistoriker Dr. Karl-Ludwig Elvers, der für die Pflege der Sammlung verantwortlich ist: „Seit dem Aufkommen der bürgerlichen Sammlungen im späten 18. und besonders auch im 19. Jahrhundert spielt die antike Münze als Kunstobjekt und als Objekt der Anschauung eine ganz wesentliche Rolle, die gar nicht so sehr was mit ihrem historischen Kontext zu tun haben muss, sondern auch einfach damit, dass die Münze als Mini-Kunstobjekt eine immens große Wirkung entfaltet hat. Und die hat eigentlich bis heute angehalten“.

Mit einer Lupe lassen sich die Münzen detailliert betrachten. Foto: Emily Nothbaum

Die Anfänge der Münzsammlung

Die Münzsammlung der Ruhr-Universität Bochum ist fast ebenso alt wie die Universität selbst. Schon 1966 stießen Bauarbeiter zwischen dem heutigen Gebäuden GB und GC auf den sogenannten Querenburger Schatz, der 123 spätmittelalterliche Münzen enthielt.

Der Querenburger Schatz wurde 1966 zwischen GB und dem ehemaligem GC gefunden. Foto: Emily Nothbaum

Zudem kaufte die Universität 1966 die umfangreiche Sammlung antiker Münzen des Fuldaer Studienrates Dr. Karl Josef Welz, der seit 1924 leidenschaftlich antike Münzen sammelte, auf. Sie umfasst vor allem antike griechische, aber auch römische Münzen und hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Ruhr-Universität heute über eine sowohl zeitlich als auch geographisch außergewöhnlich breit gefächerte Sammlung verfügt, die ständig um weitere Stücke ergänzt wird. So besitzt die Universität Münzen von den Anfängen der Münzprägung bis in die Spätantike und aus dem gesamten Mittelmeerraum. Dr. Karl-Ludwig Elvers zufolge bietet die Sammlung ein „wirklich sehr schönes Anschauungsmaterial über die Vielfalt der griechischen Münzprägung überhaupt“. Dies sei für eine Universitätssammlung durchaus besonders.

Von der Archäologie zur Chemie. Die interdisziplinäre Erforschung von Münzen

Neben ihrem künstlerischen Wert sind Münzen auch für die Forschung von großem Interesse, denn sie erzählen uns über eine Vielzahl von Aspekten vergangener Zeiten. Die Bandbreite möglicher Untersuchungen ist dabei groß. Sie umfasst etwa die Analysen von den abgebildeten Herrscherporträts ebenso wie die Untersuchung von Produktionsbedingungen. Darüber hinaus können Münzen auf ihre innere Wertigkeit hin analysiert werden, um festzustellen, zu welchen Zeiten es zu Geldentwertungen kam oder wo die verwendeten Materialien gewonnen wurden. „Das können Sie natürlich nicht allein durch Anschauung, sondern da kommen dann auch, sehr stark in jüngster Zeit, naturwissenschaftliche Untersuchungen hinzu, die sich mit dem Metallgehalt beschäftigen“, sagt Herr Dr. Elvers. Die Forschung an Münzen ist also nicht allein auf Historiker*innen und Archäolog*innen beschränkt, sondern auch für diejenigen von Interesse, die sich für die Schnittstellen zwischen Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft begeistern.

Münzen selbst entdecken

Von Zeit zu Zeit werden die Münzen der Sammlung in der Lehre eingesetzt, spezielle Lehrveranstaltungen sind derzeit jedoch nicht geplant. Wer sich aber die RUB-Münzen genauer anschauen möchte, kann die antiken Kunstsammlungen von Montag bis Samstag kostenlos besuchen, oder, wenn man es lieber bequem von zu Hause aus bevorzugt, sich durch die elektronische Münzdatenbank der Universität klicken und die Vielfalt der dort digitalisierten Münzen bestaunen.

Und wer vor lauter Münzen gar nicht weiß, wo er anfangen soll, dem empfiehlt Herr Dr. Elvers, mit der Münzprägung des Augustus vor und nach seiner Alleinherrschaft zu beginnen, um das berühmte Porträt des Augustus kennen zu lernen.

Viel Spaß beim Entdecken!

Der Eingang zum Museum befindet sich auf der Rückwand der UB. Foto: Emily Nothbaum
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Gemeinsam zur fertigen Hausarbeit – Schreibtutor*innen in Ausbildung

Autor: Philipp Kötter | Titelbild: DariuszSankowski

Du willst Deine eigenen Schreibfähigkeiten festigen und gleichzeitig in Zusammenarbeit mit anderen Studierenden erfahren, wie man für 10 CP professionell schreiben lernt und lehrt? Dann ist das Berufsfeldpraktikum Schreibtutor*innen-Qualifizierung – Schreibdidaktische Grundlagen und Praxis der Schreibberatung (Berufsfeldpraktikum) die passende Inspiration für Dich. Hier lernst Du, wie Du professionell schreibst und gleichzeitig, wie man es anderen beibringt – Die perfekte Vorbereitung auf eine Karriere in der Lehre.

Der beste Weg zum Lehramt

Dieses Berufsfeldpraktikum fand von Februar bis August statt und setzte sich aus zwei Modulteilen zusammen. Der erste Teil beanspruchte den ersten Monat und bildete in den Grundlagen des Schreibens und des Beratens für den Schreibprozess aus. Diese Fähigkeiten sind in jedem Fall nützlich und zusätzlich erhielten die Teilnehmer*innen einen Einblick in den Arbeitsalltag von Schreibenden und jenen, die anderen dabei helfen das wissenschaftliche Schreiben zu erlernen. Der zweite Teil stellte den größeren Block dar, denn es stand die Praxiszeit an. Nun war es an der Zeit sich lehrend zu erproben und in Kooperation mit anderen Studierenden die Einübung verschiedenster Methoden der Schreibberatung zu festigen. Die Teilnehmer*innen dieses Moduls erlebten viel Abwechslung und kreativen Input, da sie in verschiedenen Szenarien ausgebildet wurden, die sowohl im Unialltag als auch in ihrer späteren Karriere als Lehrer*innen relevant sein werden.  

Wer suchet, der findet – Ein vielseitiges Angebot

Dieses Modul bildet Dich mit dem Ziel aus im Schreibcafé für einen entsprechenden Lohn als Schreibtutor*in arbeiten zu können. Diese Arbeitsplätze sind jedoch logischerweise begrenzt und somit auch die Plätze für dieses Berufsfeldpraktikum. Dementsprechend wird dieses Modul nicht jedes Semester angeboten (Stand: September 2024). Aber Dank des vielseitigen Angebots des Optionalbereichs der RUB stehen Dir einige andere Angebote zur Verfügung. Konkret gesagt: Wenn Du gerade keine Möglichkeit hast, Dich für das oben beschriebene Modul anzumelden, dann schaue doch im Optionalbereich nach weiteren Modulen, die ähnliche bis gleiche Schwerpunkte setzen und Dich adäquat aus- oder fortbilden. Es gibt zahlreiche Sommerschulen, welche das Schreiben in Kooperation mit anderen lehren. Oder ganze Berufsfeldpraktika, die das Fördern von Schreibkompetenzen auf verschiedenste Arten und Weisen anbieten. Dasselbe kannst Du für die englische Sprache belegen, falls Du planst, Deine Schreibfähigkeiten in Englisch zu verbessern. Allein im kommenden Wintersemester 2024/25 werden mindestens vier Module im Kontext Studieren, Schreiben und Lernen angeboten.

Foto: Παῦλος

Zwei Anlaufstellen, viele Möglichkeiten

Du merkst also, dass die RUB ein sehr großes Angebot zur Verfügung stellt, insofern du nur danach suchst. Wenn Du also auf Module gehofft hast, die Dich auf Dein zukünftiges Leben als Lehrer vorbereiten, dann bist Du hier genau richtig! Also besuche bei Bedarf einmal die Seite des Zentrums für Wissenschaftsdidaktik (ZfW) oder auch die Seite des Optionalbereichs, denn dort wirst Du definitiv fündig werden.  

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