„Natürlich kann man nicht plötzlich die Welt verändern, aber man hat einen ersten Ansatz!“

© Bild: Amnesty International Deutschland e.V.

Ein Bericht von Greta Tripp

Im Jahr 2025 waren 117,3 Mio. Menschen weltweit auf der Flucht, viele, weil ihre Menschenrechte in ihrer Heimat beschnitten wurden. Zahlreiche Organisationen stehen für die Rechte dieser Menschen ein, darunter auch Amnesty International, die unter anderem in Bochum und an der RUB aktiv sind.

Amnesty International ist eine NGO (Nichtregierungsorganisation), deren Mitglieder sich seit den 60er Jahren weltweit für das Recht auf freie Meinungsäußerung einsetzen und das Ziel haben, auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen. Dabei fokussieren sie sich besonders auf Einzelfälle und setzen sich somit für spezifische Personen ein, welche aufgrund ihres politischen Engagements und freier Meinungsäußerung inhaftiert wurden.

Was macht Amnesty International?

Die Arbeit von Amnesty International stützt sich dabei auf zwei Säulen. Die erste Säule bildet die Recherchearbeit, welche vor allem in den Sekretariaten, etwa in London oder Berlin, stattfindet. Dort werden Informationen zu Menschenrechtsverletzungen gesammelt. Amnesty International kann dabei, nach eigener Aussage, als vertrauenswürdige Quelle betrachtet werden, weil sie aufgrund ihres Status als NGO von keiner Regierung abhängig ist. Die zweite Säule stellt die tatsächliche Öffentlichkeitsarbeit dar, welche durch kleinere ehrenamtliche Gruppen, so zum Beispiel die Hochschulgruppe in Bochum, geleistet wird.

Amnesty in Bochum

Die Amnesty International Hochschulgruppe Bochum plant und führt verschiedene Projekte durch, welche auf den Gruppentreffen geplant werden. So gibt es etwa Infostände, beispielsweise anlässlich des Weltfrauentags, und verschiedene Petitionen, welche die Freilassung von Inhaftierten bewirken sollen. Dasselbe Ziel verfolgt ebenfalls der sogenannte „Briefmarathon“, eine Aktion anlässlich des Tags der Menschenrechte (jährlich am 10.12.) bei der Schüler*innen Briefe schreiben, die eine behördliche Aufmerksamkeit erzeugen sollen.

Amnesty Kunstauktion 2022, © Foto: Amnesty International Bochum
Stand der Amnesty International Bochum Gruppe anlässlich des Welt Frauen Tags 2026, © Foto: Greta Tripp

Durch diese Aufmerksamkeit wird zwar oft keine Freilassung bewirkt, in vielen Fällen kann aber zumindest eine Verbesserung der Haftumstände erreicht werden. Zudem führt die Hochschulgruppe Bochum, in Kooperation mit der Amnesty Gruppe in Bochum-Gehrte, jährlich eine Kunstauktion durch. Bei dieser werden gespendete Kunstwerke von Bochumer*innen und überregionalen Künstler*innen versteigert. Der Profit dieser Auktion hilft Amnesty, ihre Arbeit oder juristischen und medizinischen Beistand für Inhaftierte zu finanzieren.

Einzelfallarbeit

Aktuell arbeitet die Hochschulgruppe Bochum an zwei spezifischen Einzelfällen.

Sulaimon Olufemi, ein Nigerianer, welcher in Saudi-Arabien 2005 nach einem unfairen Gerichtsverfahren zum Tode verurteilt wurde, und Matsumoto Kenji, ein Japaner, welcher trotz einer geistigen Behinderung seit 1993 im Todestrakt eines japanischen Gefängnisses sitzt. Amnesty International positioniert sich gegen die Todesstrafe.

Mach mit!

Willkommen sind in der Bochumer Hochschulgruppe nicht nur Studierende, sondern alle Interessierten, die sich ehrenamtlich engagieren wollen.

Die meisten Mitglieder sind ehemalige Studierende der Ruhr-Universität Bochum, so etwa Martha Müller-Bennet, welche bereits seit 1978 bei Amnesty aktiv ist. Sie ist früher wie heute stolz auf ihre Arbeit und froh, sich für Gerechtigkeit einsetzen zu können, da sich ihrer Meinung nach seit dem Beginn ihres Engagements „ja nichts verbessert hat“, dennoch sei es „schwierig, junge Menschen zu finden, die sich [bei Amnesty International] einbringen wollen“. Sie glaubt allerdings nicht, dass dies auf fehlende Motivation oder Anteilnahme junger Erwachsener zurückzuführen sei. Eine Online-Befragung der Fakultät für Sozialwissenschaft der RUB aus dem Jahr 2024 zeigt: „Mehr als zwei Drittel der jungen Menschen in Deutschland engagieren oder engagierten sich für das Gemeinwohl.“ Es ist jedoch zu beachten, dass nur 12 bis 24 Prozent der jungen Menschen bei Initiativen und Projektgruppen aktiv sind. Ein weiteres Mitglied der Hochschulgruppe beschreibt, dass das Engagement bei Amnesty ihm etwas Hoffnung gibt: „Natürlich kann man nicht plötzlich die Welt verändern, aber man hat einen ersten Ansatz, was man tun kann!“

Flyer von Amnesty Bochum, © Foto: Greta Tripp

Die Gruppe trifft sich jeden ersten und dritten Dienstag im Monat, abwechselnd online oder im Haus der Begegnung in der Nähe des Bochumer Hauptbahnhofs. Eine Anmeldung ist nicht nötig.

Schau doch mal vorbei!

Mehr Infos findest du auf der Website von Amnesty International Bochum.

Links:

https://news.rub.de/presseinformationen/wissenschaft/2024-02-22-sozialwissenschaft-mehr-als-zwei-drittel-der-jungen-menschen-sind-freiwillig-engagiert

https://bochum.amnesty-international.de/

https://www.destatis.de/DE/Themen/Laender-Regionen/Internationales/Thema/bevoelkerung-arbeit-soziales/bevoelkerung/Fluchtbewegungen.html?templateQueryString=menschenrechtsverletzungen