Zwischen Klausur und Kinderwagen – So unterstützt die RUB studierende Eltern

Der Spielplatz vor der G-Reihe | Foto: Maria Skaro

Ein Bericht von Maria Skaro

Viele Studierende stehen vor großen Herausforderungen: finanzielle Verantwortungen, Prüfungsstress, die Teilnahme an Pflichtveranstaltungen und im besten Fall bleibt auch noch etwas Freizeit. Alles unter einen Hut zu bekommen, erfordert gutes Zeitmanagement. Was für viele unvorstellbar ist: in diesem Stress und Chaos nicht nur für sich sorgen zu müssen, sondern auch noch für das eigene Kind.

Hürden im Studienalltag

Wie viele Studierende an der Ruhr-Universität Bochum ein oder mehrere Kinder haben, ist nicht bekannt. Bundesweit liegt ihr Anteil laut dem Deutschen Studierendenwerk bei rund 8 %. Diese 8 % müssen also einen weiteren, besonders anspruchsvollen Lebensbereich mit ihren akademischen Verpflichtungen vereinbaren. Sie tragen Verantwortung für ein junges Menschenleben.

Kathrin Humpert-Frey von der Studienberatung | Foto: Maria Skaro

Kathrin Humpert-Frey von der Zentralen Studienberatung der Ruhr-Universität Bochum berät mit ihrem Team unter anderem auch Studierende mit Care-Verantwortung. In einem Interview erklärte sie mir, dass neben den typischen Herausforderungen, wie Zeitmanagement oder der Sicherung des Lebensunterhalts der Familie, auch strukturelle Bedingungen des Uni-Alltags das Leben studierender Eltern erschweren können. Verpflichtungen wie Veranstaltungen mit Anwesenheitspflicht kollidieren häufig mit der Sorgearbeit. In solchen Fällen unterstützt die Studienberatung, indem sie Handlungsmöglichkeiten aufzeigt und individuelle Lösungsansätze entwickelt. Durch die enge Zusammenarbeit mit verschiedenen Einrichtungen der Universität hilft die Studienberatung bei der Suche nach passenden Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern und arbeitet heraus, was in der jeweiligen Situation am hilfreichsten ist.

Mehr als nur organisatorische Belastung

Neben den logistischen Schwierigkeiten sei die soziale Isolation ein bedeutendes Thema: „Studierende Schwangere, die sich zeitweise ganz oder teilweise aus dem Studium zurückziehen müssen, verlieren häufig ihre bisherigen sozialen Kontakte. Aufgrund von Zeitmangel verlieren sie den Anschluss und haben weniger Möglichkeiten, neue Kontakte zu knüpfen“, erklärt Frau Humpert-Frey. Deswegen sei es auch ein Dauerthema, die Akzeptanz im Umfeld zu fördern. Kommilitonen und Kommilitoninnen können dabei unterstützen, indem sie aufmerksam bleiben und ein offenes Ohr anbieten. Auch auf dem Campus gibt es gezielte Angebote: In einer Eltern-Kind-Gruppe können studierende Eltern ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Die „Campus Stars“ treffen sich jeden zweiten Freitag von 16 bis 18 Uhr im Peer Quartier. Darüber hinaus hilft auch die psychologische Studienberatung bei Krisensituationen und psychischer Belastung. Sowohl die psychologische als auch die zentrale Beratungsstelle befindet sich auf dem Campus im Studierenden Service Center (SSC).

„Je flexibler die Möglichkeiten, desto einfacher wird es.“

Die Ruhr-Universität Bochum bietet zusätzlich zu den Beratungsmöglichkeiten auch direkt am Campus Kinderbetreuung an. Bis zu 200 Kinder können in zwei Kindertagesstätten durch Angebote des Akademischen Förderungswerkes (Akafö) von 7 bis 20 Uhr betreut werden. Zusätzlich organisiert die RUB Ferienbetreuungsangebote.

Tagesstätte „UniKids“ südwestlich der Mensa | Foto: Maria Skaro
Kita „Lennershof“ an der Hochschule | Foto: Maria Skaro

Den Ausbau der Betreuungsinfrastruktur sieht Humpert-Frey als entscheidend an, um Studium und Elternschaft besser vereinbaren zu können: „Studierende Eltern profitieren immer von Flexibilität. Je flexibler die Möglichkeiten, desto einfacher wird es.“ Dabei gehe es nicht nur darum, mehr Einrichtungen zu schaffen, sondern auch bestehende Angebote durch anpassungsfähige Betreuungszeiten zu erweitern. Da studierende Eltern häufig keine klassischen Arbeitszeiten haben und manchmal nachmittags Seminare besuchen müssen, können sie ihr Kind nicht immer um Punkt 17 Uhr abholen. Auch zusätzliche Online-Lehrveranstaltungen könnten helfen, das Studium flexibler zu gestalten. Gleichzeitig betont sie, dass Universitäten immer innerhalb gesetzlicher Rahmenbedingungen handeln. Um mehr Handlungsspielräume zu schaffen, müssten daher auch gesetzliche Regelungen weiterentwickelt werden.  

Was studierenden Eltern helfen kann

Trotz vielfältiger Unterstützungsangebote bleibt die Herausforderung für studierende Eltern groß. Viele setzen sich zusätzlich unter Druck, allen Anforderungen gleichzeitig gerecht werden zu müssen. Frau Humpert-Frey hebt hervor, wie wichtig es sei, realistische Erwartungen an sich selbst zu haben und für Ausgleich zu sorgen. Der Austausch mit anderen studierenden Eltern könne entlastend wirken, da man von deren Erfahrungen profitieren könne. Trotzdem sollte man die eigene Situation nicht mit anderen vergleichen, weil die individuellen Rahmenbedingungen sehr unterschiedlich sein können. Abschließend empfiehlt Humpert-Frey, sich frühzeitig zu informieren und keine Scheu zu haben, jede Form von Hilfsmöglichkeit wahrzunehmen. Klar wird: Studieren mit Kind ist herausfordernd, aber mit der richtigen Unterstützung und dem Mut, Hilfe anzunehmen, gelingt auch ein Studium mit Kind.

Weitere Informationen zu den Hilfsangeboten der RUB: