Wo Geschichte lebendig wird: Die Antikensammlung am Campus der RUB

Rezension von Duygu Eliz Bayram

Die Kunstsammlungen der RUB bestehen seit 1975 und sind an zwei Orten beheimatet: Während die Standorte Situation Kunst und das Museum unter Tage im Schlosspark Weitmar liegen, findet ihr das antike Herzstück direkt auf dem Campus. Im Gebäude der Universitätsbibliothek, gegenüber dem Audimax, könnt ihr eine faszinierende Zeitreise von den Wurzeln der Antike bis zur Moderne erleben.

Die Antikensammlung

Hier erwartet euch die größte Sammlung im gesamten Ruhrgebiet. Ihr findet dort eine beeindruckende Bandbreite an Kunst- und Gebrauchsobjekten, die den antiken Alltag begleitet haben – von Kelchen und Münzen bis hin zu Waffen. Besonders sehenswert sind die Skulpturen und Büsten aus Marmor und Bronze, bei denen ihr berühmten Persönlichkeiten wie Aristoteles oder Marc Aurel quasi Auge in Auge gegenübersteht.

Dabei handelt es sich bei den Statuen um hochwertige Gipsabgüsse weltberühmter Meisterwerke, die es erlauben, die Highlights der Antike an einem Ort zu studieren, während die vielen Kleinfunde – wie Münzen und Vasen – echte Originale aus der Zeit sind.

Reise in die Antike

Die Antike ist weltgeschichtlich eine der wichtigsten Epochen. Sie war für die Entwicklung der Wissenschaften, wie wir sie heute kennen, von großer Bedeutung, und dennoch beschäftigen sich heute eher wenige Menschen mit ihr. Dabei hat sie unsere Gegenwart maßgeblich beeinflusst – das könnt ihr sogar an euren eigenen Liebesgedichten oder dem nächsten Kinodrama merken, deren Gattungen hier ihren Ursprung haben.

Denn auch sie hat unsere Gegenwart maßgeblich beeinflusst. So legten beispielsweise antike Gedichte die Grundlage für bekannte Gattungen wie Liebesgedichte, Dramen und Komödien. Und auch für die bildende Kunst stellt die Antike einen Höhepunkt dar, denn die Menschen sehnten sich nach Ästhetik und das spiegelt sich in ihrer Kunst und in ihrem Alltag wider. Viele Alltagsgegenstände wie Kelche, Töpfe und Münzen, die ihr auch in der Kunstsammlung finden könnt, waren verziert. Die Verzierungen reichten bei den Kelchen von einfachen Farbgestaltungen bis hin zu Darstellungen von Tieren, Kriegern und Reitern. Auch plastische Verzierungen, wie Töpfe mit Tierkopfgriffen, sogenannte Tiergefäße, könnt ihr in der Kunstsammlung betrachten. Die Münzen der Antike sind mit Portraits versehen, die deutlich aus der Münze hervortreten. 

Kunstsammlungen Antike, Foto: Lutz Leitmann
Rekonstruktion der Polyphem-Gruppe aus Kunstmamor, Foto: M. Benecke

Mythologie hautnah 

Wenn du Mythologie-Fan bist, solltest du direkt am Eingang stoppen: Dort erwartet dich eine monumentale Skulpturen-Gruppe, die eine Szene aus der Odyssee zum Leben erweckt. Durch ihre Größe und prägnante Figurenkonstellation hat diese Gruppe einen bleibenden Charakter und bildet die perfekte Eröffnung der Kunstsammlung der RUB. Die Szene gehört zu den bekanntesten der Odyssee. Diese Konstruktion schafft es, die mythologische Geschichte von Odysseus und Polyphem künstlerisch zum Leben zu erwecken. Der erste Blick fällt auf den Riesen, der mit seiner Größe deutlich aus der Figurengruppe hervorsticht und von Odysseus und seinen Gefährten mit einem glühenden Pfahl geblendet wird. Mithilfe der lebhaften Darstellung der Angriffsszene wirkt das Werk eher wie ein monumentales, erstarrtes Bühnenbild als ein klassisches Kunstwerk aus Stein. Als würden die Skulpturen jeden Moment zum Leben erwachen. 
Aus der Nähe werden die expressiven und emotional aufgeladenen Gesichtsausdrücke der einzelnen Figuren deutlich. 

Falls die Mythologie für dich Neuland ist, wirst du mithilfe der Kurztexte umfassend über das Werk informiert und wichtiges Hintergrundwissen wird vermittelt. Die Mitarbeiter*innen der Kunstsammlung stehen dir jederzeit für Fragen zur Verfügung. 

Falls ihr noch keine Pläne habt und euch eine Zeitreise in eine der wichtigsten Epochen der Welt- und Kunstgeschichte anspricht, seid ihr herzlich in die Kunstsammlung der RUB eingeladen. Nicht zu vergessen: Der Eintritt zur Kunstsammlung ist kostenlos. Schnappt euch ein paar Freunde oder kommt allein – egal wie ihr euch entscheidet: Ein Besuch in der Kunstsammlung lohnt sich immer.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 11-17 Uhr.

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„Natürlich kann man nicht plötzlich die Welt verändern, aber man hat einen ersten Ansatz!“

Ein Bericht von Greta Tripp

Im Jahr 2025 waren 117,3 Mio. Menschen weltweit auf der Flucht, viele, weil ihre Menschenrechte in ihrer Heimat beschnitten wurden. Zahlreiche Organisationen stehen für die Rechte dieser Menschen ein, darunter auch Amnesty International, die unter anderem in Bochum und an der RUB aktiv sind.

Amnesty International ist eine NGO (Nichtregierungsorganisation), deren Mitglieder sich seit den 60er Jahren weltweit für das Recht auf freie Meinungsäußerung einsetzen und das Ziel haben, auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen. Dabei fokussieren sie sich besonders auf Einzelfälle und setzen sich somit für spezifische Personen ein, welche aufgrund ihres politischen Engagements und freier Meinungsäußerung inhaftiert wurden.

Was macht Amnesty International?

Die Arbeit von Amnesty International stützt sich dabei auf zwei Säulen. Die erste Säule bildet die Recherchearbeit, welche vor allem in den Sekretariaten, etwa in London oder Berlin, stattfindet. Dort werden Informationen zu Menschenrechtsverletzungen gesammelt. Amnesty International kann dabei, nach eigener Aussage, als vertrauenswürdige Quelle betrachtet werden, weil sie aufgrund ihres Status als NGO von keiner Regierung abhängig ist. Die zweite Säule stellt die tatsächliche Öffentlichkeitsarbeit dar, welche durch kleinere ehrenamtliche Gruppen, so zum Beispiel die Hochschulgruppe in Bochum, geleistet wird.

Amnesty in Bochum

Die Amnesty International Hochschulgruppe Bochum plant und führt verschiedene Projekte durch, welche auf den Gruppentreffen geplant werden. So gibt es etwa Infostände, beispielsweise anlässlich des Weltfrauentags, und verschiedene Petitionen, welche die Freilassung von Inhaftierten bewirken sollen. Dasselbe Ziel verfolgt ebenfalls der sogenannte „Briefmarathon“, eine Aktion anlässlich des Tags der Menschenrechte (jährlich am 10.12.) bei der Schüler*innen Briefe schreiben, die eine behördliche Aufmerksamkeit erzeugen sollen.

Amnesty Kunstauktion 2022, © Foto: Amnesty International Bochum
Stand der Amnesty International Bochum Gruppe anlässlich des Weltfrauentags 2026, © Foto: Greta Tripp

Durch diese Aufmerksamkeit wird zwar oft keine Freilassung bewirkt, in vielen Fällen kann aber zumindest eine Verbesserung der Haftumstände erreicht werden. Zudem führt die Hochschulgruppe Bochum, in Kooperation mit der Amnesty Gruppe in Bochum-Gehrte, jährlich eine Kunstauktion durch. Bei dieser werden gespendete Kunstwerke von Bochumer*innen und überregionalen Künstler*innen versteigert. Der Profit dieser Auktion hilft Amnesty, ihre Arbeit oder juristischen und medizinischen Beistand für Inhaftierte zu finanzieren.

Einzelfallarbeit

Aktuell arbeitet die Hochschulgruppe Bochum an zwei spezifischen Einzelfällen.

Sulaimon Olufemi, ein Nigerianer, welcher in Saudi-Arabien 2005 nach einem unfairen Gerichtsverfahren zum Tode verurteilt wurde, und Matsumoto Kenji, ein Japaner, welcher trotz einer geistigen Behinderung seit 1993 im Todestrakt eines japanischen Gefängnisses sitzt. Amnesty International positioniert sich gegen die Todesstrafe.

Mach mit!

Willkommen sind in der Bochumer Hochschulgruppe nicht nur Studierende, sondern alle Interessierten, die sich ehrenamtlich engagieren wollen.

Die meisten Mitglieder sind ehemalige Studierende der Ruhr-Universität Bochum, so etwa Martha Müller-Bennet, welche bereits seit 1978 bei Amnesty aktiv ist. Sie ist früher wie heute stolz auf ihre Arbeit und froh, sich für Gerechtigkeit einsetzen zu können, da sich ihrer Meinung nach seit dem Beginn ihres Engagements „ja nichts verbessert hat“, dennoch sei es „schwierig, junge Menschen zu finden, die sich [bei Amnesty International] einbringen wollen“. Sie glaubt allerdings nicht, dass dies auf fehlende Motivation oder Anteilnahme junger Erwachsener zurückzuführen sei. Eine Online-Befragung der Fakultät für Sozialwissenschaft der RUB aus dem Jahr 2024 zeigt: „Mehr als zwei Drittel der jungen Menschen in Deutschland engagieren oder engagierten sich für das Gemeinwohl.“ Es ist jedoch zu beachten, dass nur 12 bis 24 Prozent der jungen Menschen bei Initiativen und Projektgruppen aktiv sind. Ein weiteres Mitglied der Hochschulgruppe beschreibt, dass das Engagement bei Amnesty ihm etwas Hoffnung gibt: „Natürlich kann man nicht plötzlich die Welt verändern, aber man hat einen ersten Ansatz, was man tun kann!“

Flyer von Amnesty Bochum, © Foto: Greta Tripp

Die Gruppe trifft sich jeden ersten und dritten Dienstag im Monat, abwechselnd online oder im Haus der Begegnung in der Nähe des Bochumer Hauptbahnhofs. Eine Anmeldung ist nicht nötig.

Schau doch mal vorbei!

Mehr Infos findest du auf der Website von Amnesty International Bochum.

Links:

https://news.rub.de/presseinformationen/wissenschaft/2024-02-22-sozialwissenschaft-mehr-als-zwei-drittel-der-jungen-menschen-sind-freiwillig-engagiert

https://bochum.amnesty-international.de/

https://www.destatis.de/DE/Themen/Laender-Regionen/Internationales/Thema/bevoelkerung-arbeit-soziales/bevoelkerung/Fluchtbewegungen.html?templateQueryString=menschenrechtsverletzungen

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Post Grounds: Zeitgenössische Kunst im Zentrum des Campus der RUB erleben

Ein Feature von Mina Schilling

Mitten im Campusmuseum, zwischen antiken Büsten, einer Münzsammlung und modernen Gemälden, ist derzeit die Ausstellung Post Grounds zu sehen. Diese macht den Campus der Ruhr-Universität Bochum selbst zum Thema und lädt so Studierende und Besuchende in ihre Räume ein.

Versteckt hinter der Bibliothek: die Kunstsammlungen der RUB

Auf den ersten Blick sind sie gar nicht zu sehen, die Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum. Kommt man von der U-Bahn-Haltestelle über die Unibrücke auf den Campus, dann fällt der Blick zunächst auf die zentral gelegene Universitätsbibliothek. Erst wenn man einen Blick hinter das Gebäude wirft, weist ein leuchtender Schriftzug an der Betonfassade auf die Kunstsammlungen und das dazugehörige Campusmuseum hin, das sich in der Etage unter der Bibliothek befindet. Die gläserne Außenwand ermöglicht einen ersten Einblick in den Ausstellungsraum. Dort ist aktuell eine ganz besondere Ausstellung zu sehen. Hier kann man dem Campusalltag entfliehen und ihm gleichzeitig auf überraschend neue und künstlerische Weise wiederbegegnen.

Der Campus wird zum Ausstellungsobjekt

Die Post Grounds ist ein Teil der Ausstellungsreihe Kunsthochschule meets Universität, innerhalb derer jungen Künstler:innen der Kunsthochschule für Medien Köln die Möglichkeit geboten wird, ihre Werke in einem universitären Kontext an der RUB zu präsentieren. Die labyrinthartigen Gänge und vielen Stufen des Bochumer Campus werden zum Thema der Kunst, die sich in die bestehende Ausstellung einreiht, statt einen eigenen Raum zu beanspruchen. Somit zeigt sich das Campusmuseum aktuell von einer neuen Seite und ist auch dann wieder interessant, wenn man es schon zuvor besucht hat. Dieses Vermittlungsformat der Post Grounds wurde in Zusammenarbeit mit Studierenden der Kunstgeschichte aus Bochum erarbeitet.

Kunst im Dialog: neue Werke verändern die bestehende Ausstellung

Beim Eintreten in die Ausstellung wird schon am Eingang ein Informationsblatt speziell zu Post Grounds angeboten, das Hintergründe zu den Kunstwerken liefert und die Besuchenden unterstützt. Geht man durch die Ausstellung, so fällt ein Werk ins Auge, das die bestehenden Kunstwerke ganz besonders verändert und mit ihnen interagiert: Oksana Pyzhs Ohne Halt, bei dem die Betonsockel der antiken Büsten mit Luftpolsterfolie verhüllt werden. Der moderne Twist an den antiken Kunstwerken wird im Informationsblatt als eine Geste gegenüber der musealen Struktur erklärt. Interessant sehen die Verhüllungen aus, man mag vielleicht den Drang bekommen, die Luftpolsterfolie platzen zu lassen, aber bitte nicht anfassen!

Das Plakat zur Ausstellung Post Grounds in den Kunstsammlungen, Gestaltung: operative.space, Berlin
„nomads“ von Anna Traskaliková  in der Antikensammlung im Campusmuseum, Foto: Anna Traskaliková

Zwischen Antike und Gegenwart

Einen großen Teil des Campusmuseums, das aus den Sammlungen moderne und zeitgenössische Kunst, Antike und Münzsammlung besteht, nehmen auch die Vitrinen im hinteren Bereich des Raumes ein. Während hier beim Hindurchgehen und Betrachten sonst eher antike Gegenstände wie Haushaltsobjekte und Vasen angetroffen werden, hat Anna Traskaliková, eine in Bochum lebende Künstlerin, hier und da weitere Objekte hinzugefügt. Teilweise aus dem 3D-Drucker, oder aus Keramik selbst geformt, mischen sich Blätter und Figuren zwischen die üblichen Ausstellungsobjekte. Das Werk trägt den Titel nomads. Manchmal dauert es ein paar Sekunden, die einzelnen neuen Objekte in den Schaukästen zu finden und im Kontext der restlichen Kunst zu betrachten. Meistens springen sie einem jedoch förmlich entgegen, in hellen Farben und sehr modern, ganz gegensätzlich zur den antiken Stücken.

Kunst verstehen leicht gemacht

Mit Anna Traskaliková wurde auch ein Interview geführt, das in der Ausstellung ausliegt und allen Besuchenden weitere Einblicke in ihr künstlerisches Schaffen ermöglicht. Im Ausstellungsraum finden sich außerdem immer wieder Karten, die typische Fragen von Besuchenden aufgreifen und über das Konzept der Kunstsammlungen informieren. Man muss also keinerlei kunstgeschichtliches Wissen haben, um die Ausstellung zu besuchen; stattdessen reicht Neugier völlig aus.

Bis zum 17. Mai kann die Ausstellung Post Grounds noch am Bochumer Campus besucht werden, aber natürlich ist das Campusmuseum auch nach Ablauf der Ausstellung immer einen Besuch wert. Die Kunstsammlungen sind dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist kostenfrei, nur dürfen keine Fotos von den Werken gemacht werden. Es lohnt sich also umso mehr, einmal selbst vorbeizuschauen und auch die restlichen Kunstwerke zu betrachten.

Weitere Veranstaltungen

Wer zusätzlich Lust auf ein paar besondere Veranstaltungen der Kunstsammlungen hat: Am 23. April findet die Veranstaltung Post-Post-Grounds statt, bei der Studierende der Kunsthochschule für Medien ihre Arbeiten in der Bibliothek des Kunstgeschichtlichen Instituts im GA-Gebäude zeigen. Hier gibt es ab 16 Uhr spannende Artist-Talks, einen Rundgang und eine anschließende Party in der Bochumer Goldkante zu erleben. Außerdem findet am 12. Mai die Finissage der Ausstellung im Campusmuseum statt, mit Performances und einem Rundgang, ebenfalls ab 16 Uhr.

Links:

Kunstsammlungen, Sammlung moderne und zeitgenössische Kunst: https://www.kusa-rub-moderne.de

Projekthomepage: https://post-grounds.cargo.site

Instagram: kunstsammlungenmoderne_rub

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