Kürzungen von finanziellen Mitteln an NRWs Hochschulen: Eine Gefahr für eure Zukunft?

Ein Bericht von Jan Lukas

Der AStA der RUB startet Petition gegen die geplanten Sparmaßnahmen der Landesregierung

Deutschland muss sparen. Und was für Deutschland gilt, gilt auch für Nordrhein-Westfalen. Bereits im laufenden Haushaltsjahr wird der Rotstift angesetzt und davon betroffen sind auch die Hochschulen des Landes. Deren Etat soll um bis zu 120 Millionen Euro gekürzt werden, hat das Ministerium für Kultur und Wissenschaft dem Kölner Stadtanzeiger auf Anfrage bestätigt. Eine beunruhigende Entwicklung, wie die Senate der Hochschulen in NRW finden, denn Investitionen in Hochschulen seien Investitionen in die Zukunft. In einer auch von der RUB unterschriebenen, gemeinsamen Resolution wird darauf verwiesen, dass NRW im bundesweiten Vergleich finanziell ohnehin schlecht abschneidet und dass Hochschulen wichtige Fachkräfte in den verschiedensten Bereichen ausbilden. Nicht nur unterschwellig wird vom Sparen an der falschen Stelle gesprochen. Ein weiterer Schwerpunkt der Argumentation betrifft die Streichung von Stellen, die aus Sicht der Hochschulen die wissenschaftliche Vielfalt einschränken werden. 

Warum wird an Nordrhein-Westfalens Hochschulen gekürzt?

Zunächst einmal ist offensichtlich, dass das Land NRW hoch verschuldet ist: Ende 2024 betrug die Schuldenlast von Nordrhein-Westfalen fast 176 Milliarden Euro; damit hatte NRW mit Abstand die meisten Schulden aller Bundesländer. Aktuellere Zahlen liegen Stand heute (9. April 2026) noch nicht vor. Der AstA der RUB hat eine Petition gegen die Kürzungen an NRWs Hochschulen gestartet. In dieser Petition nimmt der Allgemeine Studentenausschuss Stellung zu den befürchteten Konsequenzen wie der Streichung von Lehrangeboten, höheren Studiengebühren und dem Abbau von Stellen an den Universitäten des Landes. „Um diesem drohenden Szenario entgegenzuwirken“, heißt es in dem Appell, „bitten wir dringend um eure Unterstützung.“ Unterstützung in Form einer Unterschrift der Petition.

Bildung braucht Raum – im wahrsten Sinne des Wortes; Juni 2022 | Foto: Jan Lukas

Machen sich die Kürzungen auch für Studierende bemerkbar?

Die Antwort kann mit „Ja“ beantwortet werden. Ein konkretes Beispiel aus der Ruhr-Universität Bochum: Im Fach Philosophie wurden bereits Tutorienstellen gestrichen. Im Wintersemester 24/25 gab es zu den Einführungsvorlesungen noch jeweils vier Tutorien, ausgeführt von zwei Tutorinnen. Zum Wintersemester 25/26 ist diese Zahl jedoch auf ein Tutorium zusammengekürzt worden. Für die Studierenden hat das bereits spürbare Nachteile mit sich gebracht: So fehlt die nötige Flexibilität, etwa wenn sich Veranstaltungen überschneiden oder wenn Nebenjobs, die für viele Studentinnen und Studenten essenziell sind, berücksichtigt werden müssen. Zudem bedeuten gestrichene Tutorienstellen auch verlorene Chancen, denn eine Tätigkeit als Tutorin oder Tutor kann entscheidend zur persönlichen Weiterentwicklung beitragen und ist für Studentinnen und Studenten, die im universitären Lehrbetrieb verbleiben wollen, ein erster wichtiger Schritt im Rahmen der angedachten wissenschaftlichen Karriere. 

Welche Folgen befürchten die Kritiker auf lange Sicht? 

Ein Thema, das die deutsche Politik und die deutsche Wirtschaft umtreibt, ist der Fachkräftemangel. Politikerinnen und Politiker werden nicht müde zu betonen, dass der Wohlstand maßgeblich von Innovationskraft und Effizienz in der Arbeitswelt abhängt. Prominent sei in diesem Zusammenhang Bundeskanzler Friedrich Merz zu nennen, der noch in einer Rede vor dem CDU-Wirtschaftsrat im Mai 2025 anmerkte: „Mit Vier-Tage-Woche und Work-Life-Balance werden wir den Wohlstand dieses Landes nicht erhalten können.“ Wie passt die Bekämpfung des Fachkräftemangels zum angedachten Sparen in der Hochschulbildung? 

Einlenken der Landesregierung

Angesichts der allgemeinen wirtschaftlichen Lage sei es unerlässlich, dass auch die Hochschulen  einen Beitrag zur Haushaltskonsolidierung leisten müssen, heißt es in einer Stellungnahme des Kultur- und Wissenschaftsministeriums des Landes NRW. Angesichts der massiven Proteste hat die Landesregierung jedoch einen Kompromiss zugesagt: Das Land übernimmt künftig die steigenden Personal-, Miet- und Sachkosten (die sogenannten Tarifsteigerungen). Zudem werden die bestehenden Hochschulvereinbarungen bis 2028 verlängert, um den Universitäten die nötige Planungssicherheit zu garantieren. Die SPD als größte Oppositionspartei im Land überzeugt dieses Einlenken nicht. „Am Ende bezahlen die Beschäftigten den Preis des schwarz-grünen Sparkurses“, heißt es in einer Pressemeldung, „weil sie ihre Jobs verlieren. Und die Studierenden dürfen das mit volleren Vorlesungen und weniger Tutorien ausbaden. Dabei hat NRW schon heute die schlechteste Betreuungsquote zwischen Dozierenden und Studierenden deutschlandweit.“

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Dein Einstieg in die Bildungsarbeit: Dein Praktikum bei den CLIMB-Lernferien!

Ein Bericht von Stefanie Reikewitsch

Wenn Lernen plötzlich Spaß macht und ein Schultag mit einem Lächeln endet, dann ist etwas anders als sonst. Zwei Wochen lang tauchen Kinder und du als Studierende:r gemeinsam in eine Welt ein, in der kleine Erfolge groß werden, Neugier wächst und niemand zurückgelassen wird. Du willst wissen, was hinter diesen besonderen Ferien steckt? Dann bist du hier genau richtig.

Konzept, Zielsetzung und Aufgabenbereiche

CLIMB steht für das Motto “Clever Lernen, Immer Motiviert Bleiben”. Dieses Bildungsprogramm findet während der Schulferien direkt in den Klassenräumen der Grundschulen statt, um einen einfachen Transfer der Inhalte in den Alltag der Kinder zu ermöglichen. Als Studierende:r übernimmst du dabei Aufgaben in ganz verschiedenen Bereichen: Du gestaltest eigene Unterrichtseinheiten, betreust Kleingruppen und begleitest spannende Nachmittagsprojekte sowie Ausflüge.

Die Lernzeit und die Zukunftskompetenzen I Foto: Stefanie Reikewitsch

Dabei dokumentierst du auch die Lernfortschritte und arbeitest in alters- und leistungsheterogenen Gruppen, was dir einen wertvollen Umgang mit ganz unterschiedlichen Lernständen ermöglicht. Die CLIMB-Lernferien richten sich gezielt an Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren aus materiell und strukturell benachteiligten Familien. Ziel des Programms ist es, Bildungsungleichheiten frühzeitig entgegenzuwirken, die Selbstwirksamkeit der Kinder zu stärken und ihnen positive Lernerfahrungen zu ermöglichen, die sie im normalen Schulalltag oft vermissen.

Was passiert in den CLIMB-Lernferien?

Der Tagesablauf während der Lernferien ist klar strukturiert. Der Vormittag ist in zwei Lernzeiten aufgeteilt, in denen Deutsch- und Mathematikunterricht angeboten wird. Dabei kommen spielerische Methoden und praktische Materialien zum Einsatz, um den Unterricht so anschaulich und motivierend wie möglich zu gestalten. Nachmittags arbeiten die Kinder an Projekten zu wechselnden Themen wie „Traumberufe“, „Forschen“ oder „Meine Stadt“. Durch diese Projekte sollen neue Perspektiven eröffnet, kreatives Denken gefördert und die Teamarbeit gestärkt werden. Ergänzende Ausflüge finden einmal pro Woche statt, beispielsweise in Kletterwälder oder durch vor Ort geplante Aktivitäten wie das Schnitzen von Kürbissen. Dies rundet das Programm ab und bietet den Kindern die Möglichkeit, das Gelernte direkt praktisch umzusetzen.

Sternenmomente und pädagogisches Lernen

Ein zentrales pädagogisches Element sind die sogenannten Sternenmomente. Hierbei werden besondere Fortschritte der Kinder dokumentiert: Es sind Momente, in denen Aufgaben selbstständig gelöst, Verantwortung übernommen oder kreative Ideen umgesetzt werden. Diese Beobachtungen dienen sowohl der Reflexion der eigenen pädagogischen Arbeit als auch der Wertschätzung individueller Lernfortschritte. Gleichzeitig lernst du als Studierende:r, pädagogische Konzepte wie Ressourcenorientierung, Selbstbewusstsein und Durchhaltevermögen in der Praxis anzuwenden.

Drei Sternenmomente der Kinder I Foto: Stefanie Reikewitsch

Bildung und Entwicklung fördern

Das Programm vermittelt neben fachlichen Kompetenzen auch ein tiefes Verständnis für soziale Zusammenhänge. Du erfährst unmittelbar, wie Bildung und soziale Unterstützung ineinandergreifen und welchen positiven Einfluss pädagogisches Handeln auf die Entwicklung von Kindern hat. Dabei wird deutlich, wie entscheidend individuelle Förderung für mehr Chancengleichheit ist.

Am Ende des Einsatzes stehen umfassende Einblicke in den Schulalltag und wertvolle praktische Erfahrungen. Ein schöner Nebeneffekt: Es gibt eine Aufwandsentschädigung von 250 Euro. Wenn das Praktikum zuvor bei den zuständigen Praktikumsbeauftragten im Optionalbereich angemeldet wurde, winken zudem noch 10 CP für das Studium. Die CLIMB-Lernferien bieten somit einen idealen, praxisnahen Einstieg in die Bildungsarbeit, von dem sowohl die Studierenden als auch die Kinder nachhaltig profitieren.

Du bist interessiert, ein Teil dieser Lernferien zu werden? Falls ihr euch noch genauer informieren wollt, wie Anmeldung und CP‑Erwerb ablaufen, folgt den offiziellen Links der CLIMB-Lernferien und der Praktikumsseite des Optionalbereichs der RUB.

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„Sie schauen uns an wie ein Schwarz-Weiß-Foto“

Ein Feature von Aimon-Silaskaja Beetz

Das Thema Antisemitismus schafft es regelmäßig ins öffentliche Bewusstsein. Jüdisches Leben hingegen findet selten in der Öffentlichkeit statt. Auch jüdische Studierende an der RUB sind weitgehend unsichtbar – das muss aber nicht so bleiben.

Zwischen zwei Vorlesungen steht eine Gruppe Studierender vor dem Gebäude. Einige rauchen, andere essen etwas, es wird geredet und gelacht. Ein Handy klingelt. Einer der Studenten greift danach, schaut auf den Bildschirm, runzelt die Stirn. Er geht einen Schritt zur Seite, nimmt den Anruf an. Sein Gesicht hellt sich auf, und als er sich weiter von der Gruppe entfernt, sagt er fröhlich: „Shalom, Rabbi!“. Noch während er diese Worte spricht, zieht sich in ihm alles zusammen. Er merkt die verwirrten Blicke in seinem Rücken, hinter ihm scheint sich eine ohrenbetäubende Stille auszubreiten. Sie übertönt die Stimme aus dem Telefon, schlingt sich um seinen Hals, drückt ihm die Luft aus der Lunge. Wie konnte er nur so unvorsichtig sein?

Antisemitismus ist mehr als Gewalt

Gebetsbuch, Kippa und Davidstern bleiben im Rucksack | Foto: Aimon-Silaskaja Beetz

„Bisher hat mich glücklicherweise niemand körperlich wegen meines Jüdischseins angegriffen. Aber Antisemitismus erlebe ich jeden Tag“, erzählt der Student, der im Folgenden Ilan heißen soll. Wie alle für diesen Text Interviewten möchte er anonym bleiben. Bundesweit zählte die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus e.V. (RIAS) zuletzt durchschnittlich 24 antisemitische Vorfälle pro Tag. An der RUB berichten Studierende vor allem von antisemitischen Graffiti und Stickern sowie verbalen Anfeindungen. Doch offene Feindseligkeiten machen nur einen Bruchteil der Erfahrungen jüdischer Studierender aus. „Antisemitismus sind vor allem Stereotype, Unwissen oder Vorurteile im Alltag, das ist nicht zwingend böse gemeint“, erklärt Miriam, die an der RUB zu jüdischer Geschichte forscht. Das liegt unter anderem daran, dass die meisten Menschen kaum Berührungspunkte mit dem Judentum haben. Vorträge und Bildungsangebote beziehen sich meist auf Antisemitismus oder jüdische Geschichte. Das zeitgenössische Judentum ist für viele ein mystischer Nebel, den sie aus sicherer Entfernung mit einer Mischung aus Faszination und Unbehagen beobachten.

Ein freundliches Einhorn

Die meisten Reaktionen auf ein Outing sind nicht böse gemeint | Grafik: Aimon-Silaskaja Beetz

Sich als jüdisch erkennen zu geben, so beschreibt es die Medizinstudentin Lea, fühlt sich an, als wäre sie ein Einhorn, das aus diesem Nebel hervortritt. Die Wenigsten wollen Einhörner jagen, die meisten wollen sie bestaunen, haben aber gleichzeitig Angst, sie zu verscheuchen. Auch Ilan kennt das Gefühl: „Die Leute schauen ihr ganzes Leben lang auf uns wie auf ein Schwarz-Weiß-Foto und dann merken sie plötzlich: Uns gibt es wirklich.“ Viele Menschen sind erst einmal verunsichert, wollen nichts Falsches sagen, reagieren abweisend und distanziert. Nach einer Weile siegt die Neugier, eine unbändige Flut an Fragen durchbricht die Stille. Viele dieser Fragen sind harmlos, stammen aus ehrlichem Interesse an der jüdischen Kultur und Religion, andere sind taktlos bis übergriffig. Trotzdem versuchen sie, alle Fragen geduldig zu beantworten und den Leuten ihre Berührungsängste zu nehmen. „Neugier ist wichtig, um Gespräche und Raum zu schaffen, auch um Vorurteile abzubauen“, erklärt Hanna, eine ehemalige Studentin. „Es bringt nichts, wenn alle nur lesen, dass Antisemitismus schlecht ist. Sie müssen das auch von Betroffenen hören, damit sie uns verstehen.“ Außerhalb der Gemeinden gibt es nur wenig Räume, in denen jüdische Personen ‚normal‘ genug sind, um diese anstrengende Aufklärungsarbeit nicht ständig leisten zu müssen.

Räume schaffen und Brücken bauen

GESH-Stand bei der jüdischen Campuswoche 2025 | Foto: Aimon-Silaskaja Beetz

Deshalb hat Hanna mit einigen Freund*innen die jüdische Hochschulgruppe GESH gegründet. Der Name leitet sich vom hebräischen Wort ‚Gesher‘, Brücke, ab. GESH soll junge Jüd*innen vernetzen, die sich oft in ihren früheren Gemeinden nicht mehr aufgehoben fühlen, indem sie Begegnungen außerhalb religiöser Anlässe ermöglicht. Außerdem informieren verschiedene Gemeinden dort über ihre Veranstaltungen, sodass die Studierenden auch in andere Gemeinden ‚reinschnuppern‘ können. Ein Ende der Brücke führt aber auch in die Gesellschaft. Nichtjüdische Interessierte können über GESH einen Einblick in jüdisches Leben bekommen, an Vorträgen oder Workshops teilnehmen und ihre Berührungsängste schrittweise ablegen. Dafür veranstaltet GESH seit 2021 regelmäßig Aktionen wie die jüdische Campuswoche, wo sie beim Essen oder Spielen ganz niedrigschwellig Einblicke in die jüdische Kultur geben – auch allen, die wirklich gar nichts übers Judentum wissen. Inzwischen hat Hanna die Organisation in die Hände der nächsten Generation Studierender gegeben. Sie engagiert sich trotzdem weiter für politische Bildung:

„Es ist wichtig, dass wir für uns selbst einstehen und laut sind, aber es ist auch wichtig, dass andere Leute für uns laut sind, weil wir alleine schaffen es halt einfach nicht.“

Wer nicht bis zur nächsten Veranstaltung warten, sondern das eigene Wissen übers Judentum direkt auffrischen will, kann beispielsweise auf das Projekt „Jüdische Perspektiven sichtbar machen“ vom Center for Religious Studies (CERES) zurückgreifen, oder auf eine der Fragen im Kasten Links klicken. Und wenn sich eine Person aus eurem Umfeld als jüdisch outet: cool bleiben. Niemand erwartet, dass ihr perfekt Bescheid wisst – nur, dass ihr euer Gegenüber weiter als Menschen behandelt.

Hinweis: Alle im Text genannten Namen wurden zum Schutz der Personen von der Redaktion geändert.

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